Das Verhör
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Posted 23-1-2003
72) Sagt mir auf welche Art der Hottenbacher Diebstahl begangen ist worden, ob ihr während dem Diebstahl so viel Lärm gemacht habt, daß die Bewohner des Dorfs dadurch aufgeweckt werden konnten und auf welche Summe die gestohlenen Effekten sich belaufen könnten?
Antw. Als wir an das Haus des Juden zu Hottenbach gekommen waren, welcher neben dem Dorf wohnet, war es eilf Uhr vorbei; ich klopfte an der Thür; der Jud fragte mich durch das Fenster was man wollte; ich antwortete daß ich es wäre: daß er aufmachen und mir ein Glas Brandwein geben sollte; er that es ohne einige Schwierigkeit. Ich gieng mit Johann Laiendeker und Peter Dalheimer ins Haus, der erstere bewachte die Person des Juden und Peter Dalheimer machte sich mit mir an die Auslerung des Kramladens; während wir in dem Hause waren, wollte ein Jud der nicht weit vom bestohlenen Haus wohnte aus dem seinigen gehen, wurde aber von Philipp Arnold von Argenthal aufgehalten und zur Hergabe seiner Uhr gezwungen; der Nachtwächter kam auch dazu, wurde aber von meinen wachthabenden Kameraden an und bis zur geendigten Verrichtung zurück gehalten. Nachdem der Diebstahl vollbracht war, haben wir die Juden und den andern welchem Philipp Arnold die Uhr abgenommen hatte in des erstern Keller eingeschlossen und den Wächter losgelassen.
Wir haben diesem Juden nicht mehr als zwei hundert Gulden genommen, einen silbernen Becher und eine Eller Silber-Borden, welche zusammen ein halb Pfund wogen und welche wir dem Schey Maier von Bruschit für eilf oder zwölf Gulden verkauften. Der Werth der Waaren belauft sich höchstens auf sieben hundert Gulden und ich habe für meinen Theil der Waaren von einem umherziehenden Krämer,welcher keinen bestimmten Wohnsitz hat und dessen Vornamen Joseph ist, welchem ich selbiges verkauft habe, die Summe von drei und eine halbe Louisd'or bekommen.
Ich bemerke übrigens daß meine Kameraden Gerhard, Denig und Rüb vormals öfters im Haus des bestohlenen Juden waren; dennoch weiß ich nicht ob er sie für Diebe kannte und ich füge bei, daß wir keinen Lärm machten, welcher die Einwohner der Gemeinde rege machen konnte.
73) Kennt ihr Matheis Schäfer von Bliesen?
Antw. Nein.
74) Kennt ihr die Namen Nikolaus Theiß, Friederich Albert und Johannes Welsch von Ekertsweiler?
Antw. Nein.
75) Müßt ihr nicht zugeben, daß diese drei Individuen, den in der Nacht vom zehnten auf den eilften Messidor neunten Jahres bei Herz Maier zu Ulmet begangenen Diebstahl verübt haben?
Antw. Nein und ich habe schon alle Mitschuldigen genannt.
76) Hat Schwarzpeter nicht auch einen Sohn?
Antw. Ja, er heißt auch Peter; er hat Bienenkörbe, Hämmel und Pferde mit mir gestohlen. Unter andern haben wir zu Niederwürzbach Pferde, auf dem Hünerbergerhof Hämmel und zu Boos Bienenkörbe gestohlen. Ich erinnere mich nicht mehr von diesem allem, aber die zu Altensimmern gegen mich eingeleitete Procedur muß diese Umstände alle enthalten.
77) Kennt ihr auch einen Namens Müller?
Antw. Ja, es ist ein Sohn von Johannes Müller dem sogenannten Müllerhannes: er ist mit mir zu Schnappenbach angehalten und nach Altensimmern geführt worden. Er hat mit mir auf dem Heinzeberg Schweine und zu Boos die Bienen gestohlen; übrigens beziehe ich mich auf meine Procedur von Altensimmern.
78) Kennt ihr die Anna Maria Schäfer von Wallenbruk, Kanton Kirchberg?
Antw. Ja, sie war die Beischläferinn des Benzel, welcher in Koblenz guillottinirt ist worden. Seitdem hat sie sich dem Peter Zuchetto von Erz an der Mosel gebürtig, zugesellt; sie hat mit dem lezten meien Namen mißbraucht um von den Thalfanger Juden Geld zu erpressen; dieses ist mir durch den Wirth von Hütgeswasem bei Allenbach erzählt worden.
79) Kennt ihr nicht einen Schuhmacher zu Aspach?
Antw. Ja, er nennt sich Heinrich Gerhard; ich habe ihn als ich noch bei meinem Vater war gekannt, seitdem habe ich ihn in Großzimmern auf dem rechten Rheinufer wieder gesehen, allwo er als Schuhknecht arbeitete: ausserdem auch bei seinem Bruder, Müller zu Weiden, Herrsteiner Kanton; aber ich habe keine Gemeinschaft mit ihm gehabt.
80) Kennt ihr Adam Keßler von Gribelschid?
Antw. Ja, ich war mit meinen Kameraden oft in seinem Haus; wir haben allda gegessen und getrunken und auch etliche Nächte zugebracht; er ist Wirth und wir haben ihm unsere Zeche bezahlt, und weder ich noch meine Kameraden haben irgend eine Gemeinschaft mit ihm gehabt.
81) Kennt ihr Karl Zerfas von Gribelschid?
Antw. Ich erinnere mich des Namens nicht; weil wir aber in so viel Häuser in Gribelschid waren, wo Peter Dalheimer uns hinführte, so ist es möglich daß ich ihn kenne. Uebrigens hat kein einziger Einwohner von Gribelschid Theil an unseren Verbrechen genommen.
Nachdem dem angeklagten Vorlesung und Auslegung auf deutsch gegeben worden war, so erklärte derselbe, daß gegenwärtiges Verhör Wahrheit enthält und hat mit uns obenbenannten Richter und Kommis-Gressier unterschrieben zu Mainz den Tag, Monat und Jahr wie oben, des Abends um halb neun Uhr.
Unterschrieben Wernher, Johannes Bückler und Brellinger, mit Handzügen.
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