Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[17. März 1803, Mainz][...]
557) Ihr habt in eurer Antwort auf die zwei hundert sechs und zwanzigste Frage schon eingestanden, daß ihr im Frühling des achten Jahrs (zwei und zwanzigsten Ventos) einen Straßenraub in dem Bezirk die Winterhauch genannt, im Kanton Baumholder Saar-Departements, begangen habt: sagt mir izt, auf welche Art ist dieses Verbrechen verübt worden?
Antw. Ich hatte damals den Namens Carl Benzel in der Gegend von Sonschied angetroffen. Benzel machte den Vorschlag, daß wir uns in die Gegend von Birkenfeld begeben wollten, um allda den Bürger Löb von Bliesbrücken, welcher sich auf den Birckenfelder Markt begeben sollte, und von welchem wir wußten, daß er gewöhnlich viel Geld bei sich hatte, zu erwarten. Als wir in den Winterhaucher Wald gekommen waren, trafen wir die Namens Seligmann Jakob von Wisselbach, Leser von Oberjeckenbach und etliche Bauern aus der Gegend an: Wir forderten besagtem Seligmann das Geld ab, und nahmen ihm wirklich etliche Gulden.
Indem wir unseren Weg fortsezten, begegnete uns der Namens Herz Löb von Bollenbach in Begleitung mehrerer Bauern; wir hielten ihn an, und nahmen ihm seine Gurt, in welcher sieben oder acht Louisd’or waren. Nachdem wir diesen Löb geplündert hatten, fanden wir in einer Weite von einer Viertelstunde den Namens Gottschlik Herz von Nohbollenbach, welchem wir eine silberne Uhr und sechs Frankenthaler raubten. Kaum hatten wir diesen Herz abgefertigt, als der Namens Isaak Sender von Weyerbach sich zeigte; ich nahm ihm seine Uhr; indem wir unsern Weg fortsezten, trafen wir in dem Dorf Fronhausen den Namens Hirsch Löb von Kirchenbollenbach an; dieser war schon durch seinen Bruder Herz Löb des Diebstahls, welchen wir an den leztern begangen hatten, unterrichtet, und bat mich ihm ein Theil des seinem Bruder geraubten Geldes wiederzugeben. Ich schlug ihm sein Begehren ab, und wir verließen uns nach etlichen unbedeutenden Reden.
Ich bemerke, daß wir mit Schießgewehren bewaffnet waren, und daß wir den durch uns ausgeplünderten Menschen kein Leid angethan haben.
558) In euren vorhergehenden Verhören ist es schon sicher gestellt, daß ihr einen Juden zu Laufersweiler mit Christian Rheinhard und seinem Bruder Wilhem, Johannes Müller dem alten, Lorenz-Peter, Zahn-Franzen-Martin, Peter-Henrichs-Hann-Adam. Georg Friedrich Schulz und Knöpp-Antons-Hann-Adam bestohlen habt. Sagt mir izt die Umstände, die diesen Diebstahl begleitet haben?
Antw. Obgleich ich schon seit langer Zeit wußte, daß ein reicher Jud zu Laufersweiler seie; so wurde unser Vorhaben zu stehlen dennoch erst durch die Erzählung, welche Johann Georg Scherer von seinem Reichthum machte, festgesezt, und von welchen ich schon in meiner Antwort auf die zweihundert fünf und zwanzigste Frage gesprochen habe. Nachdem wir besagten Scherer verlassen hatten, durchstrichen wir noch etliche Tage die Gegend. und kamen endlich auf einen Mitwoch auf eine Mühle bei Laufersweiler. Wir zwangen einen Bewohner dieser Mühle uns als Wegweiser zu dienen und uns das Haus des Isaac Moyses zu zeigen; wir stießen die Thüre mit einem Balken ein, welchen wir beim Eingang des Dorfs fanden. Ich gieng mit Peter Henrichs-Hann-Adam, Johannes Müller dem alten und Wilhelm Rheinhard in das Haus: Es wurden keine Gewalthätigkeiten gegen die Leute ausgeübt. Wir raubten tausend Gulden an Geld und für den Werth von dreihundert Gulden Waaren. Während dem ich im Hause war, versammelten sich die Bauern und es wurde von ein und anderer Seite geschossen. Dieser Lärm sezte mich in Schrekken, und ich wollte das Haus ohne Geld gefunden zu haben verlassen. Aber meine Kameraden munterten mich auf zurük zu kehren, indem sie mir verspracher, daß sie den Bauern einen guten Widerstand leisten wollten. Endlich fand ich in einer Schublade das Geld, dessen Betrag ich euch schon erklärt habe. Johannes Müller und die übrigen bemächtigten sich der Waaren und wir bereiteten uns das Dorf zu verlassen. Indem wir aus diesem giengen, fanden wir einen Haufen Bauern, welche uns den Rükzug abschneiden wollten; aber bei unsrer Annährung zerstreuten sie sich, ohne uns weiter zu verfolgen.
Wir giengen noch die nemliche Nacht bis in die Gegend von Sobernheim, von wo wir uns den folgenden Tag auf die Mühle des Bürger Bollenbach bei Oberhausen begaben. Wir theilten unsre Beute in dem Lemberg; ich habe euch schon den Beistand, welcher uns durch den Namens Leyrit von Oberhausen geleistet wurde, erklärt: und ich beziehe mich in Betreff dessen auf meine Antwort auf die drei und fünfzigste Frage. Von Lemberg begaben wir uns über den Lerchenhof und Hamm auf die andere Rheinseite.
559) Euere vor dem Direktor der Geschwornen in Mainz abgehaltene Verhöre, bezeichnen schon überhaupt den Antheil, welchen ihr an dem Bürger Elie Joël zu Obermoschel, begangenen Diebstahl, genommen habt. Sagt mir izt, welche sind die Umstände, welche diesen Diebstahl begleitet haben?
Antw. Ich kam mit Georg Friedrich Schulz, Krug-Joseph und Johann Nikolaus Müller in das Haus des Carl Müller zu Lettweiler, wo wir Gustav Müller fanden. Indem wir etliche Flaschen Wein tranken, machte uns dieser Gustav Müller den Vorschlag diesen Juden zu Obermoschel zu berauben, sagend: daß er viel Geld für Rübsaamen, welchen er verkauft hätte (wenn ich nicht irre) zu Haus haben müsse. Ich bemerkte ihm, daß ich die Gegend von Obermoschel nicht kenne, und daß ich mich fürchtete einen Raub, in einem so beträchtlichen Marktflekken zu begehen. Gustav Müller versicherte mich, daß die Einwohner dem Juden nicht zu Hülfe kommen würden und erbot sich nicht alle mitzugehen, sondern auch noch einen andern Einwohner von Lettweiler zu berauben. Ich willigte endlich in seinen Vorschlag und schikte Georg Friedrich Schulz nach Iben, um dem Hassinger zu sagen, daß er mit allen Kameraden, welche er sammeln könnte, zu mir auf die Drei-Weiher kommen sollte. Nach-dem die Vorkehrungen also getroffen waren, gieng ich mit Krug-Joseph und Johann Nikolaus Müller in den Duchroder Wald; gegen Abend kam Gustav Müller mit Peter Weber auch dahin um uns zu holen: dieser Leztere war mit einer Pistole bewaffnet. Auf den Dreiweihern fanden wir Peter Hassinger und wenige Zeit hernach kam Georg Friedrich Schulz, Philipp Hassinger und Heinrich Walter auch dahin. Wir verließen gegen Abend die Dreiweiher um nach Obermoschel zu gehen. Bevor wir in den Flecken giengen, hoben wir das linke Thör-chen aus um unsren Rükzug zu sichern.
Ich gieng mit denjenigen von Lettweiler in das Dorf und Peter Weber zeigte uns nicht nur das Haus des Juden, sondern er führte uns auch vor ein Wagnershaus, wo wir das zum Einstossen der Thüre nöthige Holz fanden. Nachdem wir die übrigen, welche uns ausserhalb dem Dorf erwarteten, abgeholt hatten, stießen wir die Thüre des Juden mit einem Stük Holz, welches wir vor dem Wagnershaus genommen hatten, ein. Gustav Müller war einer der Träger. Ich gieng mit Johann Niklaus Müller, Krug-Joseph und Heinrich Walter in das Haus: Schulz kommandirte die, so vor dem Haus als Schildwachten standen; er erschrak zu bald und benachrichtigte uns heraus zu gehen. Heinrich Walter blieb in dem Hause, darum rief ihm einer von uns noch und schrie, heraus Henrich! als wir an das Thor des Marktflekken kamen, schossen die von Lettweiler, welche sich dahin gestellt, auf uns. Ich kehrte mit Schulz, Krug-Joseph und Müller in den bei Lettweiler gelegenen Wald zurük, und wir trennten uns den folgenden Tag. Ich habe, ehe ich auf das rechte Rheinufer zurük gekehrt bin, mit Johann Nikolaus Müller zwei Pferde zu Limbach gestohlen. Nachdem Schulz und Krug-Joseph umsonst versuchten zwei Pferde zu Kronenberg bei Odenbach zu stehlen, haben sie doch wirklich zu Gimbsheim zwei gestohlen.
560) Wisset ihr nicht, wem Schulz und Krug-Joseph diese zween Pferde verkauft haben?
Antw. Sie haben sie einem Namens Johann Heinrich, dessen Beiname der Dicke von Semd ist, und dem Rapp von Habitsheim verkauft; diese haben eines davon an einen Einwohner von Keinsbach Fränkisch-Grumbach, von welchem ich den Namen nicht weiß, welcher aber einen Schwager hat, der ein Krämer und ein Brabänter oder Tiroler von Nation ist, wieder verkauft. Ich bemerke, daß das Haus dieses Käufers das erste, links ist, wann man von Fränkisch-Grumbach hinein gehet, bei dem kleinen Bächelchen. Das andere Pferd wurde in der Gegend von Wald-Michelbach verkauft; aber ich kenne weder den Namen des Orts, noch den des Käufers.
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