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Teil 73
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. (541-556)

Posted 19-10-2003

 
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[16. März 1803, Mainz][...]

541) Kennet ihr einen Namens Georg Ansel von Framersheim, Departement vom Donnersberg, Mezger von Gewerb; es ist ein Mann von drei und zwanzig Jahren, ohngefähr fünf Schuh drei Zoll groß, dunkel-kastanienbraunen Haaren und Augenbraunen, grauen Augen, gewöhnlicher Nase, grosen Mund, rundem Kinn, langem Gesicht, niederer Stirne, und einem Schmarren über dem linken Auge?

Antw. Nein, ich kenne diesen Menschen nicht.

542) Kennet ihr einen Namens Johannes Hummel im Elsaß wohnhaft?

Antw. Nein, ich weiß nicht, wer dieser Mensch ist, wann er nicht der Sohn eines Schee-renschleifers ist, der ehemals zu Lindenfels, wegen einem bei einem Kaufmann verübten Diebstahl gefangen war.

543) Kennet ihr einen Namens Andreas Kayser, Bekker von Lichtenau?

Antw. Nein, ich kenne ihn nicht.

544) Wer ist der Pfarrer Sohn, der in dem Jahr sechs, mit euch in der Gegend von Lippshau-sen sich aufhielt?

Antw. Es ist Philipp Mosenbach, der sogenannte Jäger-Philipp, Sohn eines protestantischen Pfarrers in der Gegend von Giesen, Landgrafschaft Darmstadt.

545) Wer ist der Namens Peter, ein junger Mann, der im Jahr sechs auf der Mühl bei Benzer-roth, Arrondissements von Simmern mit einer Frau sich aufhielt, und der im Verdacht ist mit Balthasar Lukas Pferde zu Lingenrod gestohlen zu haben?

Antw. Es ist Peter Zuchetto von Urzig; die Frau die er bei sich hatte, war die Namens Grimm.

546) Habt ihr keinen Antheil an dem im Monat Prärial des Jahrs sechs, auf dem Zweibornerhof Simmerer Arrondissements, an den zwei Jüdinnen Mendel und Röschen begangenen Raub genommen?

Antw. Ja, dieser Raub ist durch Jakob Fink und mich begangen worden; übrigens waren diese zwei Mädchen die Beischläferinnen des Fink und Johannes Seibert.

547) Habt ihr nicht vor drei Jahren einen Raub auf offener Strasse bei Hundsbach, Kantons Meisenheim, an den Person Personen der Bürger Daniel, Joseph und Jakob Seligmann von Hundsbach begangen?

Antw. Ja, und ich war damals von Carl Engers und Martin Schmitt begleitet.

548) War nicht Philipp Gilchert von Wiesweiler auch bei euch?

Antw. Nein.

549) Ich bemerke euch, daß besagter Gilchert von Jakob Seligmann, welcher behauptet, ihn schon lange gekannt zu haben, erkennt worden ist?

Antw. Der Jud hat sich betrogen.

550) Habt ihr nicht Gewalthätigkeiten gegen diese Leute ausgeübt?

Antw. Engers und Schmidt, welche den alten Juden angegriffen haben, hatten ihn zu Boden geworfen; ich meinerseits aber hatte mit dem Jungen zu schaffen, welchem ich kein Leid gethan habe.

551) Hat euch und Peter Petry Sohn niemand in den Handlungen geholfen, welche die Begehung des Diebstahls der zween Pferde zu Niederwürzbach vorbereitet oder erleichtert haben?

Antw. Nein, ich kannte von mir selbst seit meiner Jugend die Gegend, Ich habe mich bei dem alten Clemens, der ein Landstreicher und ein Bettler in der Gegend von Würzbach ist, erkundigt, ob niemand in dem Stall schlafe, und auf seine verneinende Antwort haben wir besagten Diebstahl begangen.

552) Habt ihr nicht wenige Zeit vor dem Diebstahl zu Hottenbach Geld von dem Juden von Hundsbach erhalten?

Antw. Ja.

553) Durch wen habt ihr dieses Geld begehren lassen?

Antw. Ich habe drei oder viermal Geld von dem Hundsbacher Juden erhalten; sie gaben mirs aus gutem Willen, und es war Carl Michel von Hundsbach, welcher den Unterhändler zwischen den Juden und mir machte.

554) Durch wen waret ihr begleitet, als ihr bemeldetes Geld auf dem Schwarzenberg bei Hundsbach erhieltet?

Antw. Ich war von Johannes Leydecker, Peter Dahlheimer, Philipp Arnold und meiner Frau Juliana Bläsius begleitet.

555) Welche sind die Umstände, so den Diebstahl der zween Pferde, welchen ihr im Winter des Jahrs zehn auf der Hannmühl begangen habt, begleitet haben?

Antw. Ich war mit Johann Nikolaus Müller dem jungen von dem rechten Rheinufer herüber gekommen, in der Absicht etliche Pferde zu stehlen. Ich wußte schon zuvor, daß besagter Müller schöne Pferde hatte. Ich kannte auch die Zugänge der Mühle und des Stalls, wo die Pferde sich befanden. Den Tag vor bemeldetem Diebstahl befand ich mich mit dem jungen Boutla auf dem Eichenerhof: Gegen sieben Uhr Abends verließen wir diesen Hof, der nur eine halbe Stunde von der Mühl entfernt ist. Ich stieg auf den Speicher, indem ich die Mauer hinauf kletterte, und gieng durch den Laden, der nicht verschlossen war, hinein; von da stieg ich durch ein Loch, welches von dem Speicher hinein geht, in den Stall. Ich öffnete die Stallthüre, indem ich den Riegel, der selbige verschloß, wegnahm, und nachdem ich mich zweier Pferde bemächtigt hatte, begaben wir uns nach Eckelsheim, wo wir bei einem Namens Grothe, der bei unserer Ankunft nicht zu Haus war, halt machten. Grothe kam aber während unsrem Aufenthalt zurük und erkundigte sich nicht, wo wir diese Pferde erwischt haben könnten: Wir verließen noch den nemlichen Tag sein Haus und begaben uns über den Lercherhof nach Hamm, wo wir vier und zwanzig Stunden in dem Seibelschen Haus zubrin-gen mußten, indem das Eis uns den Uebergang über den Rhein verhinderte. Ich verkaufte diese Pferde dem Namens Heinrich Rapp vom Habitsheim, im Amt Umbstatt, auf der Mühl zu Semm, mittelst zehn Louisd’ors.

556) Auf welche Art habt ihr den Diebstahl von zween Pferden zu Limbach begangen?

Antw. Wie ich schon in meiner Antwort auf die zwei hundert fünf und dreisigste Frage erklärt habe; daß nach dem Diebstahl zu Obermoschel ich mit Johann Nikolaus Müller nach Hundsbach gekommen bin, und daß Peter Grünewald von Hundsbach uns von Limburg geführt, und den Stall gezeigt habe, aus welchem wir zwei Pferde gestohlen haben; dieser Stall war mit keinem Schloß versehen, gehörte aber zu einem bewohnten Haus. Der Diebstahl ist Nachts verübt worden, und wir waren mit Schießgewehren bewaffnet. Wir haben uns mit diesen zwei Pferden bei besagtem Grothe aufgehalten, und von da haben wir uns über Hamm auf das rechte Rheinufer begeben.
[...]

 
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