Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[14. Dezember 1802, Mainz][...]
507) Ihr habt in eurer Antwort auf die vier hundert fünf und zwanzigste Frage gesagt, daß ihr nach dem Diebstahl zu Södern, auf die Scheuer-Mühl bei Bruchweiler gegangen seid, um Lebensmittel zu begehren; welche sind die Leute, die ihr auf besagter Mühle fandet?
Antw. Es waren etliche Weiber und ein Mann, welchen ich für den Knecht hielt.
508) Seid ihr alle in genannte Mühle gegangen?
Antw. Es ist niemand als ich hineingegangen, auch erinnere ich mich nicht mehr, ob ich von Müllerhannes oder Schulz begleitet war: die andern blieben in dem bei der Mühle gelegenen Wald.
509) Der Mann, welchen ihr für den Knecht nahmet, war es ein junger oder schon bejahrter Mann?
Antw. Es war ein Mann von mittlerem Alter.
510) Habet ihr die auf besagter Mühl erhaltenen Lebensmittel bezahlt?
Antw. Nein, wir hatten kein Geld um sie zu bezahlen.
511) Habt ihr keine Wissenschaft, von einem im Jahr sieben, in dem Haus des Bürgers Conrad zu Laufersweiler begangenen Diebstahl?
Antw. Nein.
512) Wisset ihr nicht, daß die Namens Elise Werner, Namens Johannes Schmitt und Johannes Philippsen, genannt Bucherhannes, an diesem Diebstahl Theil genommen haben?
Antw. Nein.
513) Habt ihr nicht gehöret, daß diese Diebe von Laufersweiler nach Löffelschid sich begeben haben; daß sie in diesem lezten Orte zerstreuet worden sind und einen Theil ihrer gestohlenen Sachen verlassen haben?
Antw. Zu selbiger Epoche bin ich mit Martin Schmitt nach Löffelschid gekommen; ich fande allda die Namens Felges Marie Lise, welche nicht die nehmliche Person mit der Grose Lise oder Bootslise ist; diese sagte mir, daß der Namens Peter Zuchetto, Johannes Knapp von Lipshausen, (Johann Philippsen) Bucherhannes, und die Schwägerinn des Peter Zuchetto, die sogenannte Buckliche-Josephs-Bärbel, (also von ihrem buklichten Vater genannt) zu Löffelschid überfallen worden seien und sich in das Gesträuch geflüchtet haben.
514) Der Mann, welchen ihr in der vier hundert drei und neunzigsten Frage, als den Sohn des Neubrüker Müllers beschreibt und welcher an dem, bei besagter Mühl begangenen Straßen-raub, von welchem ihr in eurer Antwort auf die vier hundert vierte Frage gesprochen habt, Antheil genommen haben soll; ist es nicht viel mehr ein Namens Kinzer, welcher damals auf besagter Mühl sich aufhielt?
Antw. Ich weiß nicht anders, als daß es der Sohn des Neubrükker Müllers war. Benzel hat mir ihn unter diesem Namen zu kennen gegeben. Uebrigens habe ich diesen Mann nur dies einigemal gesehen, glaube aber, daß ich ihn, wenn man ihn mir vorstellte, erkennen würde. Es war ein Mann in der Blüthe seiner Jahre, von einem blassen und spizzigen Angesicht.
515) Habt ihr den Vornamen dieses Menschen nicht gehöret?
Antw. Nein.
516) Habt ihr diesen Tag nur einen einzigen Angriff auf der Landstraße bei Neubrük gemacht?
Antw. Wir hatten uns in dem Wald bei der Neubrük versammelt, um die auf den Birkenfelder Markt sich begebenden Kaufleute zu erwarten. Der Plaz, welchen wir zu Begehung dieses Diebstahl gewählt hatten, war ein enger Weg. Unsere Absicht war die ganze Caravane vorbeigehen zu lassen. Ich sollte sie am Ausgang dieses Eng-Weges erwarten, und wann ich riefe: Halt! sollten die anderen, die sich im Hinterhalt hielten, ihnen den Rükzug versperren, und dieses gesch also:
Etliche Bauren und arme Juden bildeten die Spizze der sich auf den Birkenfelder Markt begebenden Gesellschaft; der Jud Löb von Bliesbrükken und sein Sohn schlossen diese Reihe; ich rief würklich Halt! der Jud Löb und sein Sohn, welche gute Pferde ritten und mit Pistolen bewafnet waren, machten Miene einen Widerstand leisten zu wollen; als ich dieses wahrnahm, kam ich meinen Kameraden zu Hülfe; die Juden, als sie sich von beiden Seiten angegriffen sahen, spornten ihre Pferde und ritten davon. Benzel schoß nach ihnen und ich glaube, Nikolaus von Reichweiler that auch einen Schuß; während der Zeit als dies sich zugetragen hatte, griff Benedum einen Christen, welcher bei den Juden war, an, und gab ihm Stokstreiche. Nachdem alles vorbei war, begaben wir uns gegen die Neubrük, unterwegs begegnete uns ein Mezger, welchem wir etliche Gulden nahmen.
517) Seid ihr von da hingegangen?
Antw. Wir haben uns getrennt, ich bin mit Carl Benzel nach Reichenbach gegangen; wo die anderen sich hinbegeben haben, ist mir unbewußt.
518) In eurem Verhör von Simmern habt ihr gesagt, daß ihr das zu Niederwürzbach gestohle-ne Pferd durch die Vermittlung des Andres Lütger von Lipshausen dem Sohn des Dreidel Moyses von Rheinbellen verkauft habt. In eurem Verhör vom dreizehnten Vendemiaire lezthin, habt ihr das nemliche gesagt; aber in dem Verbal-Prozeß der Confrontation zwischen euch und Dreydel Moyses vom vier und zwanzigsten Thermidor zehnten Jahrs, habt ihr in Gegenwart des besagten Dreidel Moyses behauptet, daß ihr diese Pferde ihme selbsten verkauft hättet. Wie muß man diese Widersprüche vereinigen?
Antw. Mein Verhör zu Simmern, wo mir diese That noch neuer war, muß die Wahrheit enthalten; gewiß ist es, daß Andres Lütger den Kauf für diese Juden gemacht hat: es ist auch gewiß, daß einer dieser Juden gekommen ist, diese Pferde zu besehen; aber ich erinnere mich nicht mehr, ob es der Vater oder der Sohn war, ich glaube dennoch eher es war der Sohn als der Vater; bei welcher Gelegenheit ich doch bemerken muß, daß der Sohn, welcher nur fünfzehn oder sechzehn Jahre hat, nicht ohne Befehl seines Vaters gehandelt haben wird.
519) Ihr habt schon eingestanden, mit Philipp Mosenbach, dem sogenannten Jäger-Philipp, Pferde zu Hirschstein gestohlen zu haben; auf welche Art hat sich dieser Diebstahl zugetra-gen und wem habt ihr diese gestohlenen Pferde verkauft?
Antw. Wir sind zur Nachtszeit, in den an ein Haus stoßenden Stall, durch ein mit einem Stük Holz zugemachtes Loch, eingegangen. Wir haben darin drei Pferde und ein Füllen genommen: ein Pferd und das Füllen wurde durch Mosebach an einen Namens Stein-Müller, bei Benzerod, verkauft. Die zwei andern wurden an Johannes Caspar, ehemaligen Schultheisen zu Lipshausen, und seine Schwager Keber von Kils, für acht Louisd’or, als Preiß der zwei Pferde verkauft. Vier Louisd’or wurden uns durch Johann Caspar für seinen Schwager Keber bezahlt; weilen aber besagter Caspar die vier Louisd’or, welche er für sich selbsten schuldig, nicht bezahlen konnte, so haben wir das ihm verkaufte Pferd wieder genommen, und ich habe selbiges hernach dem Sohn des ehemals zu Quirnheim bei Grünstadt wohnenden Gänglers, sogenannten Tauben-Antons, abgetreten.
520) Waret ihr bei dem zu Hirschstein begangenen Diebstahl bewaffnet?
Antw. Nein.
521) Waret ihr bei dem Pferds-Diebstahl zu Niederwürzbach nicht bewaffnet?
Antw. Nein.
522) Von welchem Diebstahl rührten die vier Pferde her, welche ihr durch Franz Stein von Lindenschied bewachen ließet?
Antw. Von dem Hirschsteiner.
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