Das Verhör
Diese Seite sieht in einem modernen Browser besser aus, aber der Inhalt kann auch mit älteren Browsern oder Geräten betrachtet werden.Ich empfehle Ihnen auf einen neuen Browser umzusteigen.
Posted 19-10-2003
[14. Oktober 1802, Mainz][...]
442) Ihr habt in eurer Antwort auf die vier hundert fünf und zwanzigste Frage gesagt, daß ihr vor dem Diebstahl zu Södern, mit dem alten Müller-Hannes und Georg Friedrich Schulz auf den Breitzesterhof gekommen seid; an welchem Orte habt ihr dann diese zwei Individuen angetroffen?
Antw. Ich war mit besagtem Schulz von der rechten Seite des Rheins, welchen wir zu Hamm passirt waren, gekommen; unterwegs haben wir zwischen Armsheim und Bibelheim den Müller-Hannes angetroffen; von da sind wir, indem wir die Nächte in den Wäldern zubrachten, über Eckelsheim, wo wir bei dem Wirth Keim gegessen und getrunken haben, über den Hühnerhof, Kirchenbollenbach, wo wir bei der Wittib Brechsler, welche eine Wirthin ist, Brandwein getrunken haben, bis nach Aulenbach gegangen, allwo uns Glasers-Adam von Ruschberg begegnete, welcher mit uns auf den Breitzesterhof sich begeben.
443) Ihr habt auf die nemliche Frage gesagt, daß es euch nicht gelungen ist, die Hausthüre einzustossen, dennoch ist es in den Akten bewiesen, daß der obere Theil besagter Thür eingestossen worden ist, und daß einer der Füllungen herunter geworfen worden, woraus erhellet, daß euer Eingeständniß nicht richtig ist: Was habt ihr darüber zu sagen?
Antw. Es ist wahr, daß eines der Füllungen herunter geworfen worden, aber der Jud hatte diese Thüre dermassen gebunden und versperrt, daß wir sie nicht aufbrechen und durch selbige eingehen konnten.
444) Habt ihr nicht bei der Gelegenheit in dem Keller des Juden einen Winkel aufgemacht und aus demselben eine beträchtliche Summe Geld entwendet?
Antw. Der Sachse sagte uns, daß der Jud sein Geld in der Badwanne, welche sich im Keller befindet, verborgen hätte. Wir waren dann in dem Keller um diese Badwanne zu suchen, haben aber nichts gefunden, und keine Winkel in der Mauer aufgemacht.
445) Beharret ihr darauf alle diejenige, welche bei dem Raub und Mord des besagten Juden zu Södern mitgeholfen, angezeigt zu haben?
Antw. Ich beharre darauf.
446) Müßt ihr nicht eingestehen, daß die Gebrüder Mathias und Nikolaus Korb, so wie auch Peter Korb von Södern an diesem Diebstahl geholfen haben?
Antw. Diese Individuen haben keinen Antheil an diesem Verbrechen genommen.
447) Wie könnt ihr läugnen, daß diese Individuen Antheil an diesem Verbrechen genommen haben, da sie sich nicht durch ihre Flucht, welche sie mittelbar nach dem Diebstahl ergriffen, sehr verdächtig gemacht haben, und daß auch Peter Korb von Moyses Löb und Gertrud Löb erkannt worden ist?
Antw. Die Beweggründe, warum diese Individuen durch die Flucht sich retteten, ist mir unbewußt; aber es ist unmöglich, daß Peter Korb erkannt werden konnte, indem weder er noch einer der anderen an diesem Verbrechen Antheil genommen haben.
448) Wer ist derjenige unter euch, welcher damals beim Diebstahl ein fleischfärbiges Camisol, eine rote Weste, und ein schwarzes Tuch getragen hat?
Antw. Dies war der Sachse, aber das Camisol war eher braunlich.
449) Seid ihr nicht den Tag nach dem Diebstahl bei dem Dorf Eisen vorbei gegangen?
Antw. Ich kenne kein Dorf dieses Namens.
450) Wer ist dann derjenige von euch, welcher einen Tragkorb trug und den andern auf eine gewisse Strekke folgte?
Antw. Keiner unter uns hat einen Tragkorb getragen.
451) Ihr habt in eurer Antwort auf die vier hundert fünf und zwanzigste Frage gesagt, daß Georg Friedrich Schulz allein auf den Juden geschossen habe; man hat doch eine Kugel in seinem Körper und eine andere in seinem Zimmer gefunden, woraus folgt, daß man zween Schüsse gethan hat; was habt ihr hierauf zu antworten?
Antw. Vor dem Eingehen in das Haus, hat Georg Friedrich Schulz allein geschossen; aber beim Herausgehen, und nachdem alles vollendet war, haben wir noch etliche Schüsse in die Luft gethan, um die Bauern zu beängstigen. Es ist also möglich daß einer dieser Schüsse seine Richtung gegen das Zimmer des Juden genommen hat.
452) Es ist bewiesen in den Aktenstükken, daß ihr im Jahr neun auf den Kirchweihen von Iben, Fürfeld, Eckelsheim (oder Bellheim) gewesen seid, welche auf die nemliche Epoche fallen als die Diebstähle, welche ihr zu Södern, und wenige Zeit hernach zu Staudernheim begangen habt. Es erfolgt aus der Zusammenbringung dieser Zeitpunkten, so wie auch aus dem Umstand, daß ihr mit Müller-Hannes und Schulz auf der Kirchweihe zu Iben gewesen seid, daß ihr nicht gerade nach Södern gegangen seid, und daß dieser Diebstahl nach der Kirchweihe zu Iben begangen wurde.
Ich mache euch diese Bemerkung, damit bei beßrem Entsinnen ihr diese Widersprüche verbessern könnt?
Antw. Eure Bemerkung ist richtig; die Vielfältigkeit der Thaten und der Verfluß der Zeit wo sich dieses alles zugetragen hat, haben diesen Irrthum veranlaßt. Die Wahrheit ist: daß nachdem ich und Schulz den Müller-Hannes bei Armsheim angetroffen hatten, sind wir miteinander auf die Kirchweihe nach Iben gegangen, welche wir den Sonn- und Montag feierten. Wir sind Montag Abends von da nach Södern gegangen, von wo wir den folgenden Montag wieder nach Iben zurük gekommen sind. Den nemlichen Tag Abends sind wir nach Fürfeld gegangen, und den folgenden Tag auf die Eckelsheimer Kirchweihe, wo wir den Dienstag und Mitwoch zugebracht haben. Von da sind wir nach Iben zurükgekehrt, von wo wir nach einem vier und zwanzigstündigen Aufenthalt mit Krug-Joseph und Johann Adam Lahr nach Staudernheim gegangen sind.
[...]
Archiv | Links | Wunschzettel
Digitalkameras aller Hersteller bei Directshopper
Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder.
Ein Anspruch auf Veröffentlichung im Rheinhessenarchiv :: Genealog besteht nicht.
Ich behalte mir die Kürzung von Beiträgen vor.
Copyright 2000-2003 Melanie Langenhan, Königsberger Str. 33, D-55268 Nieder-Olm
webmaid at web.de - Alle Rechte vorbehalten -
Rheinhessen, Genealogie und Geschichte ... Rheinhessenarchiv :: Genealog
i