Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[12. Oktober 1802, Mainz][...]
428) Ihr habt in eurer Antwort auf die hundert ein und fünfzigste Frage gesagt, daß zur Zeit des Diebstahls zu Ulmet, ihr auf dem Breitzester-Hof aus dem Wachs, welches die Frau Edinger zu Baumholder geholt hatte, Lichter gemacht hättet, und in eurem gestrigen Verhör sagtet ihr, daß ihr zu dem Söderer Diebstahl Wachs zu Baumholder habet holen lassen; habt ihr dann zweimal Wachs von Baumholder bringen lassen, oder wie soll man diese verschiedenen Antworten vereinigen?
Antw. Ich habe nur einmal Wachs von Baumholder kommen lassen, welches die Frau Edinger bei den Söhnen des Juden Löb zu Baumholder geholt hat, und dies war zum Diebstahl zu Södern. Es ist dennoch wahr, daß damals bei dem Diebstahl zu Ulmet wir auch Wachslichter auf dem Breitzester-Hof zubereitet hatten, aber von dem Wachs welches wir mitbrachten; übrigens wenn ich auf die hundert ein und fünfzigste Frage die Wahrheit nicht gesagt habe, so wollte ich damals den Antheil, welchen ich am Diebstahl zu Södern genom-men, läugnen, und hatten folglich eine hinlängliche Ursache, auf den Diebstahl zu Ulmet anzuwenden, welchen ich schon eingestanden hatte, was wir mit dem Wachs, welches die Frau Edinger zu Baumholder geholt hatte, gemacht hatten, um so viel mehr, da ihr mir durch eure Frage zu verstehen gegeben, daß dieser Umstand euch bekannt seie.
429) Habt ihr gar keine Kenntniß von dem Leinwand-Diebstahl, welcher den neunzehnten Germinal des achten Jahrs in dem Haus des Bürger Faust, Pfarrer zu Hottenbach ist verübt worden?
Antw. Nein; und ich habe sogar nicht einmal davon sprechen hören.
430) Waret ihr nicht in dem Wald bei dem Ayener-Hof, im Canton Kirn, als Franz Rüb, im Monat Frimaire des neunten Jahrs, darin angehalten wurde?
Antw. Ja, ich war in diesem Wald mit Peter Dahlheimer und Jakob Gerhard von Weyden; wir erlustigten uns, auf die Eichhörnlein zu schießen und Zunder zu suchen.
431) Habt ihr euch den Gendarmen nicht widersezzet und auf sie geschossen?
Antw. Ganz und gar nicht; wir sind davon gelaufen, sobald wir sie erblikt hatten, und haben uns in den Sonwald zurük gezogen.
432) Habt ihr nicht einen Brief an den Juden Lazar von Hottenbach mit der Unterschrift Hannes durch den Wald geschrieben, in welchem man ihme zwei Louisd’or begehrt?
Antw. Nein.
433) Habt ihr keine Kenntniß von dem Urheber des Briefs, welcher sich bei Peter Dahlheimer bei seiner Arrestation vorgefunden hat, und welchen wir euch im Original vorgezeigt haben?
Antw. Nein, Peter Dahlheimer ist dessen Urheber nicht, indem er nicht schreiben konnte.
434) Bei dem Hottenbacher Diebstahl, seid ihr nicht alsobald vier an der Zahl in das Haus des Juden eingedrungen, und habt ihr nicht ihn, seine Frau und sein Kind verwundet?
Antw. Ich bin mit Peter Dahlheimer, Jakob Gerhard von Weiden und Johannes Leydecker in das Haus gegangen; dieser leztere hat sich des Juden bemächtigt und hat selbigen in sein Zimmer gezogen. Ich gieng mit Peter Dahlheimer in das Gewölb, um die Waaren aufzupakken. Als wir auf das Geschrei des Juden und seiner Frau hinaus giengen, fanden wir Johannes Leydecker und Jakob Gerhard den Juden auf dem Boden haltend; ich rettete ihn aus ihren Händen, wornach der Jud selbsten mich in seinen Laden führte. Ich sahe damals die Frau des Juden mit ihrem Kind auf dem Bett sizzen, nahm aber keine Gewaltthätigkeit an ihr gewahr.
Während dem ich mit dem Juden in dem Laden war, hörte ich ein neues Geschrei in der Küche; beim Hinausgehen, sahe ich Johannes Leydecker, welcher dem Schwiegervater des Wolf Wiener die Pistole auf die Brust hielt; ich wendete den ihm gedrohten Schuß ab, welcher ohne meine schleunige Hilfe noch ein größeres Unglück würde verursacht haben. Nachdem wir den Laden, welcher sich auf gleicher Erde befand, ausgeleert hatten, sind wir auf den Speicher gegangen, allwo wir noch verschiedene Waaren gefunden haben. Der alte Jude führte mich noch in sein Zimmer, wo er mir noch vier oder fünf Louisd’or gab, ohne daß ich die geringste Gewalt gegen ihn gebraucht hätte.
435) Wißt ihr nicht, wer besagten Wolf Wiener mit einem Messer an der Hand verwundet hat?
Antw. Nein.
436) Welche waren die drei, welche sich in das Zimmer des Schwiegervaters des Wolf Wiener eingeschlichen haben, selbigen und seine Frau mißhandelt, den Koffer aufgebrochen und eine ansehnliche Summe Geld entwendet haben?
Antw. Dieses muß sich zugetragen haben, als ich mit dem jungen Juden im Laden war, und ich kann folglich nichts darauf sagen.
437) Habt ihr denn nicht beobachtet, daß die alte Frau an dem Kopf verwundet war?
Antw. Nein.
438) Wisset ihr nicht, daß Peter Arnold dem Juden, welcher in der Nachbarschaft des Wolf Wiener wohnt; außer der Uhr, von welcher ihr in euren vorherigen Verhören sprachet, noch eine beträchtliche Summe Geld genommen hat?
Antw. Ich weis nichts vom Geld.
439) Habt ihr keine Wissenschaft von dem Diebstahl, welcher im Monat Prairial des achten Jahrs auf offener Straße bei Wiesweiler an drei Bürger, welche von Meisenheim kamen, verübt worden?
Antw. Ja, dieser Diebstahl ist durch mich und Georg Pick von Mittelbollenbach verübt worden, wir waren mit Schießgewehren bewaffnet, und hatten etliche Pfund Zucker und Caffee, Baumwollen-Zeug, und einen blauen Rok, in welchem wir sieben oder acht Louisd’or fanden, entwendet. Die Namen der Leute, welche wir bestohlen hatten, sind mir unbewußt; man hat mir aber gesagt, daß es Offenbacher Juden waren. Uebrigens haben wir keine Gewaltthätigkeit gegen jemand ausgeübt.
440) Habt ihr keine Antheil genommen an dem Diebstahl, welcher in dem Laufe des Monats Messidor des achten Jahres, auf offener Landstraße bei Schloß-Böckelheim, auf etliche Bürger, welche von dem Kreuznacher Markt kamen, ist begangen worden?
Antw. Ja, dieser Diebstahl ist durch mich, Georg Otto Pick und Peter Dahlheimer begangen worden. Ich war mit diesen zween auf einem Felsen bei Schloß-Böckelheim, wo wir die von dem Kreuznacher Markte kommenden Juden erwarteten; endlich kamen fünf und vierzig Juden und fünf Bauern: Der Plaz, welchen wir zur Begehung dieses Diebstahl gewählt hatten, war ein Holzweg; ich war hinter dem Felsen verstekt, und Pick und Dahlheimer erwarteten sie beim Ausgang des Wegs. Nachdem sie bei mir vorbei gezogen waren, gieng ich hinter meinem Hinterhalt vor und Georg Pick und Dahlheimer stellten sich vor sie, so daß wir sie zwischen uns hielten und sie nicht mehr weichen konnten.
Nachdem wir ihnen Geld gefordert hatten und sie keines zu haben geantwortet, so durchsuch-ten wir sie, fanden aber würklich kein Geld bei den Juden, ausgenommen etliche Kreuzer, welche die armen Juden durch ihren Mackler-Lohn auf dem Markt verdient hatten, und welche wir ihnen gelassen haben. Ein Jud von Staudernheim hatte ein Päkchen Waare, welches ich ihm alsobald genommen, aber auf seine Vorstellung, daß er ein armer Teufel seie, und nur diese Waaren habe, um sein Brod verdienen zu können, so nahm ich nur zwei Päkchen Tabak und eine Pfeife daraus und gab ihm das übrige zurük. Was die Christen anbetrift, so haben wir selbige nicht berührt.
Nach geschehener Durchsuchung der Juden, sagte ich ihnen ihre Schuhe auszuziehen: welches sie auch thaten; wir warfen die Schuhe untereinander auf einen Haufen, und überlie-ßen einem jeden, die seinigen zu suchen; während den die Juden sich wegen ihren Schuhen herum schlugen, gab ich meine Flinte einem von ihnen und stieg hinter den Felsen, um meine Uhren zu holen, welche ich allda habe liegen lassen; in dieser Zwischenzeit wollten einer oder zween Juden sich flüchten: Pick schoß aber auf sie und führte sie im nemlichen Augenblik als ich vom Felsen herunter stieg, wieder zurük; weiß aber nicht ob er selbige durch seinen Schuß erreicht hat. Von dieser Geschichte, welche mehr komisch als ernsthaft war, haben wir nichts als den Tabak und die Pfeiffe, wovon ich schon geredet, ein seidenes Tuch und ein lederne Gurte bekommen; ich bemerke endlich daß wir alle mit Schießgewehren bewaffnet waren.
441) Habt ihr keine Wissenschaft von dem Diebstahl, welcher im Monat Messidor des achten Jahrs auf der Landstrasse bei Hennweiler begangen worden ist?
Antw. Ja, er ist durch Pick, Dahlheimer und Philipp Arnold begangen worden; ich habe aber keinen Antheil daran genommen.
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