Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[11. Oktober 1802, Mainz][...]
416) Habt ihr nicht mitgeholfen an dem Diebstahl, welcher den sieben und zwanzigsten Frimär achten Jahrs auf offenem Weg in dem Wald bei Wickenhof begangen worden ist?
Antw. Ja, es war ich, Philipp Gilchert von Wiesweiler und Karl Engers von Sonschied.
417) Kennet ihr die Leute nicht, welche ihr bestohlen habet?
Antw. Ja, es waren etliche Juden von Hundsbach und Schweineschied, welche ich nicht mit Namen kenne; es waren auch noch der Bürger Peter Maurer von Kirnbecherbach bei ihnen, welchem wir aber nichts genommen haben.
418) In was bestunden die gestohlenen Sachen?
Antw. Wir haben nichts als Geld genommen, welches sich auf hundert Gulden belaufen kann.
419) Waret ihr mit Mordgewehren bewaffnet?
Antw. Ja, jeder von uns hatte eine Pistole.
420) Habt ihr keine Gewaltthätigkeiten gegen Personen ausgeübt?
Antw. Ich habe einem Juden einige Ohrfeigen gegeben, welcher, wenn ich mich nicht irre, davon laufen wollte.
421) Habet ihr nicht den nemlichen Tag und in dem nemlichen Wald bei Birckenhof, den Bürger Schanck, Mezger zu Meisenheim beraubt?
Antw. Ja, ich war von obengenannten Gilchert und Engers begleitet; wir haben hundert und sieben und achtzig Gulden in Silber und eine Dukat in Gold bekommen; wir waren auch mit Schiesgewehren bewaffnet; aber wir haben keine Gewalt gegen die verlezte Person ausgeübt.
422) Kennet ihr diejenigen nicht, welche in der Nacht vom dreizehnten Pluvios achten Jahrs, einen Diebstahl mit Einbruch in der Behausung des Bürger Bitsch Walter bei Kussel began-gen haben?
Antw. Ich weiß von Carl Benzel und Philipp Gilchert, daß diese beede Antheil an dem Diebstahl genommen haben: Sie erzählten mir auch daß Jakob Benedum von Konkenlangenbach einer dieser Diebe gewesen seie.
423) Habt ihr nicht selbsten Antheil an besagtem Diebstahl genommen?
Antw. Nein, und ich war dazumal auf der rechten Rheinseite, wo ich mich nach der Geschichte von Ozweiler zum erstenmal hinbegeben habe, in Begleitung des Peter Stibiz dem sogenannten Juden-Peter.
424) Kennet ihr die anderen Mitschuldigen dieses Verbrechens nicht?
Antw. Nein.
425) Beharret ihr auf der Aussage, daß ihr keinen Antheil an dem Raub und Mord, welche an dem Bürger Mendel Löb von Södern verübt worden, genommen habt?
Antw. Wenn ich euch bis auf diesen Augenblik die Wahrheit noch nicht gesagt habe, so kömmt es daher, weilen mich meine Kameraden zu inständig gebeten haben, diese That zu verheimlichen. Ich bitte euch um Verzeihung; daß ich so lange ihrem Ansuchen nachgegeben und das Gericht belogen habe; aber ich will diesen Fehler verbessern und die That gestehen, wie sie sich zugetragen hat.
Ich war im Herbst im Jahr achtzehn hundert eins mit Müllerhannes und Georg Friedrich Schulz auf den Breitzesterhof gekommen. Ich fand allda Friedrich Schmitt, der Sachs genannt, mit welchem ich lezthin confrontirt wurde, Jakob Porn von Eisenbach der sogenannte Müller-Jakob und seinen Sohn, dessen Namen ich nicht kenne. Wir fragten diese drei Individuen, ob sie keinen reichen Juden in dieser Nachbarschaft wüßten, welchen wir bestehlen könnten: diese, welche schon lange den Anschlag gefaßt hatte, einen Juden zu Södern zu bestehlen, schlugen uns vor dieses Verbrechen mit ihnen zu begehen. Glasers-Adam von Ruschberg, welchen ich schon zuvor zu Aulenbach, wo wir die Nacht in der Scheuer eines Mannes, welcher der Sohn des Wirths Hannes-Jakob von Fronhausen ist, zugebracht hatten, ist alsobald mit uns auf den Breitzesterhof gegangen: unsere erste Absicht war, einen Mann von Berschweiler, welcher einen Behälter unter dem Bakofen haben sollte, und welcher Behälter dem Glasers-Adam, durch den Maurer, welcher selbigen verfertigte, verrathen worden, zu bestehlen: dieser, nemlich Glasers-Adam, gieng nach Berschweiler um die Lage auszuspähen; aber kam bald wieder zurük mit der Nachricht daß Franzosen im Dorfe wären, und daß das Haus des Mannes, welchen wir bestehlen wollten, ganz voll läge. Wir entsagten dann unserm Vorhaben, und erst nach diesem wurde der Diebstahl von Södern, mit den zween Porn und dem Saxen verabredet, nachdem der erste Anschlag, einen Müller bei Kussel zu bestehlen, verworfen worden. Dieser Müller ist der nämliche, welcher einige Zeit hernach, wahrscheinlich durch Jakob Porn, den Saxen, Glasers-Adam und Jakob Benedum bestohlen ist worden. Ich sage wahrscheinlich, weilen diese jenen Anschlag gemacht hatten; sie erzählten mir auch, daß Jakob Benedum ihnen versprochen hatte mit zu halten, allein ich kann nichts gewisses darüber sagen, weil ich nicht bei diesem Diebstahl war, und diejenigen, welche ich als Thäter argwohne, nicht mehr gesehen habe.
Ich fahre fort, was den Diebstahl von Södern betrifft.
Um uns zu dieser Verrichtung vorzubereiten, gieng die Frau des Bürger Edinger, Pächter des Breitzesterhofs nach Baumholder um Wachs zu holen. Ihr Mann wußte den Gebrauch, welchen wir davon machen wollten. Er wollte so gar mit uns gehen, dennoch aber änderte er sein Vorhaben. Ich weiß nicht ob die Frau Edinger nicht ebenfalls von der Bestimmung des Wachses unterrichtet war. Sie holte dieses Wachs bei den Juden von Baumholder, bekannt unter dem Nahmen Löbsbuben, welche wir den nemlichen Tag auf dem Hofe gesehen haben, und welche mir sagten, zu Ihnen zu schikken, im Fall ich etwas benöthigt wäre. Von diesem Wachs wurden Lichter verfertigt. Nachdem wir einen Tag und eine Nacht auf dem Breitzester-Hof zugebracht hatten, so verließen wir ihn zwischen fünf und sechs Uhr des Abends. Wir hielten an, in einem Dorfe drei viertel Stunde von der sogenannten Neubrükker Mühl gelegen, giengen allda in ein Wirthshaus, wo fast die ganze Gemeinde versammelt war; ich bemerkte, daß wir nicht alle in besagtes Wirthshaus giengen, sondern nur ich, Müllerhannes, Schulz und noch einer; die andern blieben vor der Hausthür stehen, allwo wir ihnen zu trinken gaben. Nachdem wir um eilf Uhr des Nachts in Södern angekommen waren, gieng ich und der Sachse ins Dorf; wir klopften alsobald an der Hausthüre des Peter Korb, welchen der Sachse anwerben wollte mitzugehen; aber wir fanden ihn nicht zu Hause. Von da verfügten wir uns zu dem Hause des Juden, um die Zugänge zu besichtigen, und dann an die Kirche, allwo wir das Schlüsselloch mit Stückchen Steinen zustopften. Als nun der Diebstahl, welchen wir begehen wollten, dergestalten vorbereitet war, giengen wir zum Dorf hinaus, wo wir unsere Kameraden wieder fanden; wir nahmen einen Balken in der Mühle, welche ausserhalb dem Dorfe liegt, und als wir an das Haus des Juden kamen, versuchten wir die Thüre einzustoßen, allein sie ware so gut versperrt, daß unsere Anstren-gungen vergebens waren. Wir versuchten dann die Läden einzustoßen; als uns dieses gelungen war, stund der Jud mit einer Axt in der Hand hinter demselben, er führte damit einen fürchterlichen Hieb, welcher den Georg Friedrich Schulz als den ersten beinahe getroffen hatte. Dieser erbittert über diesen unvermeinten Angriff, that einen Pistolenschuß auf den Juden, daß er auf der Stelle todt zu Boden fiel. Ich gieng hernach mit Müllerhannes und Georg Friedrich Schulz in das Haus, wo wir etliche Kleidungsstükke und etliche Abschnitten Waaren fanden. Der Sachse machte den Vorschlag, ein gegenüber gelegenes Haus ebenfalls anzugreifen, indem er muthmaßte, daß der Jud sein Geld und die besten Effekten hinein geflüchtet habe. Weilen aber schon zu viel Lärm in dem Dorf war, so wollte ich nichts davon wissen.
Nachdem alles vorbei war, so giengen wir in der nemlichen Nacht bis gegen Birkenfeld, allwo der Sohn des Jakob Porn uns verließ, um seine Mutter, welche dazumal in Birkenfeld gefangen saß, zu besuchen. Von da sezten wir unsern Weg weiter bis nach Hüttcheswasen in dem Hohwald fort, wo wir gegen die Morgen-Dämmerung ankamen. Von Hüttcheswasen begaben wir uns bis an den Bezirk, genannt das graue Kreuz, zwischen Wersweiler und Bischtron, wo wir halt machten. Der Sachse, welcher sich alsobald ein Kleid des Juden zugeeignet hatte, machte sich los und verließ uns, ohne sogar Antheil an der Beute zu nehmen. Ich vertheilte es mit den andern und erkaufte das Antheil des Glasers-Adam für eine Louisd’or, mit Ausnahm jedoch einiger Schnupftücher, welche er für sich behielt; der Müller Jakob bekam zwei Theile, nemlich einen für ihn, und den andern für seinen Sohn.
Nachdem die Beute getheilt war, verließ uns Glasers-Adam auch und kehrte nach Hause zurük. Gegen Abend gieng ich mit den übrigen in die sogenannte Scheuer-Mühl bei Bruchweiler; der Knecht des Müllers brachte uns Lebensmittel in den benachbarten Wald. Von da begaben wir uns in den Wald bei dem Ayener-Hof, Müllerhannes gieng in den Hof um Lebensmittel zu holen. Wir brachten da den Tag zu und begaben uns die folgende Nacht nach Lettweiler, wo wir gerade zu rechter Zeit ankamen, um der Hochzeit des Sohnes des alten Schmitt beiwohnen zu können. Ich gerieth da in Streit mit meinen drei andern Kammeraden, welche mir vorwarfen auf die Hochzeit gegangen zu seyn, und mich zu öffentlich gezeigt zu haben, so daß es zu Thätigkeiten kam, und sie mich alle verließen. Ich fand jedoch den nämlichen Tag Georg Friedrich Schulz, auf den Drey-Weyher wieder, mit welchem ich nach Iben gieng und der Kirchweih, so wie jener zu Fürfeld und zu Eckelsheim beiwohnte. Ich bemerke, daß bei dem Söderer Diebstahl wir alle mit Mordgewehren bewaffnet waren, mit Ausnahm des Friedrich Schmitt und des Sohns des Müller Jakob, und daß das Kleid, welches Müllerhannes trägt, noch von dem Diebstahl zu Södern herrührt.
426) Habt ihr besagten Sachsen vor dem Diebstahl zu Södern nicht gekannt?
Antw. Nein.
427) Habt ihr seither keine andere Verbrechen begangen?
Antw. Nein
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