Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[04. Oktober 1802, Mainz][...]
376) Waret ihr nicht im Februar ein tausend sieben hundert acht und neunzig in der Gegend von Nürnberg in Franken?
Antw. Nein, zu dieser Zeit hatte ich das linke Rheinufer noch nicht verlassen.
377) Wißt ihr nichts von einem beträchtlichen Gelddiebstahl, der zu dieser Zeit auf dem Versazamt zu Nürnberg begangen worden?
Antw. Nein, es wäre jedoch möglich, daß ein gewisser Pickard, einer der Anführer der niederländischen Räuberbande diesen Diebstahl begangen hat, denn er hat nach einem beträchtlichen Gelddiebstahl, eine Summe von fünf hundert Louisd’or zu Frankfurt am Main, im Spiel verloren. Pickard sagte mir wohl, daß dieses Geld von einem, in einem offentlichen Haus begangenen Diebstahl herkomme; ich weiß aber weder den Ort noch die Zeit, wo und wann dieser Diebstahl begangen worden.
378) Wißt ihr nichts von dem, an einem Juden von Frankfurt, vor zehn Monaten, auf der Landstrasse zwischen Sehsbach und Weitersborn begangenen Diebstahl?
Antw. Nein, ich habe nie von dieser That sprechen hören.
379) Wißt ihr nicht, wer in der Nacht vom drei und zwanzigsten Brumär lezthin das Tuch vor dem Haus des Bürger Heinrich Storck zu Kirn gestohlen hat?
Antw. Nein.
380) Kennt ihr die Räuber, die vor zwei Jahren den Juden Samuel zu Sesbach Kantons Kirn, zur Nachtszeit, im Hause angegriffen haben?
Antw. Nein.
381) Ihr habt jedoch in euren vorhergehenden Verhören eingestanden, daß Müllerhannes dem Juden Jakob Bär von Merxheim, von einem zu Sesbach begangenen Diebstahl herrührende Sachen verkauft habt, ist es also nicht Müllerhannes der besagten Juden Samuel angegriffen hat?
Antw. Ich weis anderst nichts von dem Müllerhannes zu Sesbach begangenen Diebstahl, als was er mir selbst sagte; als die Einwohner von Merxheim ein Zeugniß von mir begehrten, daß Jakob Bär von Merxheim gestohlene Sachen gekauft habe, bei welcher Gelegenheit mir Müllerhannes sagte: er könne dieser Gemeinde Auskünfte geben, weil der Jud Jakob Bär vom Sehsbacher Diebstahl hergekommene Sachen von ihm gekauft habe; allein diese That geschah vor der befraglichen, weil der Verkauf geschah, als besagter Jakob Bär noch zu Hundsbach wohnte.
382) Habt ihr nie dem Bürger Karl Schenk zu Hundsbach ein Pferd gestohlen?
Antw. Ich habe nie ein anderes Pferd zu Hundsbach gestohlen, als jenes, so mir von Allerba-chers-Peter von besagtem Ort angezeigt war. Ich weiß den Namen des Eigenthümers nicht, und habe es dem Juden Jekuf von Diburg verkauft.
383) Wo habt ihr die Beute getheilt, die ihr durch den, an dem Mainzer Juden in der Gegend von Domberg begangenen Diebstahl, gemacht habt?
Antw. In dem Hause des Theodor Müller zu Rehbach bei Winterburg, wo gesagter Müller Schweinhirt ist. Er hat gar keinen Antheil an diesem Diebstahl genommen und ich zweifle sogar, ob er zu Haus war.
384) Wer ist der Müller, der mit euch in diesem Haus war?
Antw. Es waren nur bei mir: Johann Seibert, Christoph Blum, Peter Stibiz, Karl Engers und Philipp Gilcher, und ich weiß nichts von einem Müller, der dabei war.
385) Kennt ihr den Namens Pfeiffer-Wilhelm von Dalberg?
Antw. Nein.
386) Kennt ihr einen Namens Johann Pfälzer von Münchwald, im Spaler Ban?
Antw. Nein.
387) Habt ihr dann niemals einen Diebstahl mit einem Einwohner von Münchweiler begangen?
Antw. Nein, ausgenommen Johann Georg Reitenbach von Lauschied, den man auch Georg von Münchwald nannte, weil seine Frau von diesem Ort gebürtig war.
388) Habt ihr niemals einem Namens Jakob Winter, Schäfer zu Rülhofen bei Merzweiler Schaafe gestohlen?
Antw. Ja, es war mein erster Diebstahl.
389) Wer hat euch bei diesem Diebstahl beigestanden?
Antw. Johann Nikolaus Nagel von Weyden.
390) Haben die Namens Friedrich und Heinrich Bückler von Merzweiler nicht auch diesem Diebstahl beigestanden?
Antw. Nein.
391) Wem gehörte dann die Pfeiffe, die ihr auf dem Plaz gelassen, wo ihr den Diebstahl begangen habt?
Antw. Sie gehörte mir, ich hatte sie auf dem Markt von Unkirch bei Simmern gekauft.
392) Habt ihr gesagte Pfeiffe nicht in dem Hause des Schäfers Winter wieder genommen?
Antw. Ja, der Schäfer hatte aus Furcht vor den Franzosen seine Wohnung zu Rülhofen verlassen und war nach Merzweiler gezogen; hier, in dem Hause von Friedrich Bückler meines Vetters erzählte er in meiner Gegenwart, daß der Räuber seiner Schaafe, eine Pfeiffe verlohren, die er wieder gefunden und unter seinem Ofen zu Rülhofen verstekt habe. Auf diese Sagen begab ich mich nach Rülhofen und fand da meine Pfeiffe.
393) Habt ihr nie dem Pfarrer von Kappelen bei Grumbach Bienen gestohlen?
Antw. Ja, und Johann Nikolaus Nagel von Weiden hat mir diesen Diebstahl begangen.
394) Habt ihr nicht Henrich Bückler von Merzweiler auch Antheil an diesem Diebstahl genommen?
Antw. Ja, wir waren ausgegangen um Kirschen zu stehlen, stahlen aber Bienen; da aber der Korb keinen Honig hatte, so zogen wir gar keinen Vortheil von diesem Diebstahl.
395) Wie könnt ihr läugnen, daß Henrich Bückler von Merzweiler bei dem Diebstahl der Schaafe zu Rülhofen war, da es Johann Nikolaus Nagel nicht allein eingestanden hat, sondern da man auch in dem Hause besagten Bücklers die Pfeiffe fand, die ihr zu Rülhofen wieder genommen habt?
Antw. Ich bestehe darauf, daß er gar keinen Antheil an diesem Diebstahl nahm; in Ansehung der Pfeiffe bemerke ich, daß Johann Nikolaus Nagel, eine, der meinen ähnliche, dem Friedrich Bückler, Bruder des besagten Henrich verkauft hatte: Uebrigens waren wir bei diesem Bienen-Diebstahl, der vor fünf Jahren geschah, ohne Unterschied junge Leute.
396) Hat besagter Henrich Bückler in der Folge nicht andere Diebstähle mit euch begangen?
Antw. Nein, ausgenommen daß er seitdem er zu Rockenhausen wohnt, ein Pferd von mir gekauft hat, das ich bei Hettstein gestohlen hatte, und wovon ich in meinen vorhergehenden Verhören gesprochen habe.
397) Waret ihr nicht vor zwei Jahren mit Franz Rüb und Peter Dalheimer in dem Hause des Sender Isaac, damals zu Weierbach wohnhaft, und habt ihr nicht von besagtem Sender Speißen, eine Louisd’or an Geld, ein Pfund Kaffe, Zukker und Tabak erpreßt?
Antw. Ja, ich war in seinem Haus, wir haben bemeldete Sachen bekommen, haben aber keine Gewalt gegen den Juden gebraucht; denn seine eigene Mutter hatte mich eingeladen zu ihrem Sohn zu kommen, der uns freiwillig die befraglichen Sachen gab.
398) Wisset ihr nicht, wer der Unbekannte war, der einige Zeit nachher mit Georg Pick in dem Haus des bemeldeten Juden war?
Antw. Es war Philipp Arnold von Argenthal, ich weiß dieses von ihm selbsten.
399) Habt ihr nicht vor zwei Jahren durch Philipp Fritsch, Sohn von Jakob Fritsch, Wirth zu Weierbach gedachten Juden Sender Isaak in die Scheuer des besagten Fritsch rufen lassen, wo ihr mit Juliane Bläsius im Heu verborgen waret; habt ihr nicht Nachrichten wegen den Kaufleuten begehrt, welche die Märkte besuchen, und habt ihr auf euer Begehren nicht Bänder und Floretseide bekommen?
Antw. Ja, er hat mir nebst diesen Gegenständen Geld und Tabak gegeben.
400) In welchen Verhältnissen waret ihr mit besagten Fritsch, Vater und Sohn?
Antw. Es ist ein Wirth, er kannte mich wohl als Schinderhannes; er hat aber gar keinen Antheil an meinen Verbrechen genommen.
401) Habt ihr nicht an Johann Wilhelm Schneider von Niederreitenbach einen Brief geschrie-ben, worin ihr begehrt, daß euch der Jude Sender Isaac zwei Louisd’or auf den Hof Ayen bringe?
Antw. Nein, der Hofmann von Niederreitenbach ist der Mann nicht, dem man solchen Auftrag geben kann, und ich hatte keinen Geschäftsträger nöthig, um Geld vom Juden Sender zu erhaschen.
402) Waret ihr nicht einige Zeit nachher (den zwei und zwanzigsten Brümär) in dem Hause des besagten Juden mit Juliana Bläsius, als Mann verkleidet?
Antw. Ich war einmal mit Juliana Bläsius im Haus des gedachten Juden, es war aber im Anfang meiner Bekanntschaft mit demselben; er bewirthete uns mit Kaffe, und es geschah sonst nichts; falsch ist es, daß gedachte Bläsius je als Mann verkleidet war.
403) Habt ihr nicht damals dem Juden Vorwürfe gemacht, warum er euch die zwei Louisd’or nicht auf den Eyener Hof geschikt, und warum er euch habe wollen durch Johannes Klar von Oberstein arretiren lassen – und habt ihr nicht damit geschlossen, ihm Geld abzufordern? – Seid ihr nicht auf das Anerbieten des Juden, euch zwei Louisd’or zu zahlen, auf einer stärkern Summe bestanden – und habt ihr nicht, während die Frau des Juden Geld zu holen gieng, mit besagter Bläsius eure Pistolen gegen ihn gerichtet, und dabei ihn umzubringen gedroht, wenn seine Frau den mindesten Lärm mache? – Habt ihr nicht mittelst dieser Drohung von gedachtem Juden eine Summe von vier bis fünf und zwanzig Louisd’or empfangen?
Antw. Es war nicht meine Frau, sondern Peter Dalheimer von Sonschied, mit dem ich an einem Sonntag Abend an des Juden Haus kam. Seine Frau öffnete uns die Thür, ich begehrte sogleich Kaffe, den uns auch die Frau des Juden machte. Da ich mit dem Juden selbst sprechen wollte, der obenauf sich zurük gezogen hatte, so bestand ich bei der Frau darauf, daß sie ihn kommen lasse; endlich rief ihn seine Frau. Ich machte ihm Vorwürfe, warum er mich habe wollen arretiren lassen durch Johann Klar von Oberstein, und deutete ihm an, mir drei Louisd’or zu zahlen, statt den achtzehn Gulden, die er besagtem Klar gegeben habe, um mich arretiren zu lassen. Der Jude schikte sich ohne Beschwerniß mir die Summe zu zahlen. Seine Frau gieng in eine Stube obenauf, von wo sie mit einem kleinen Sack zurük kam, sie legte drei Louisd’or in Silber und eine in Gold auf den Tisch, und sagte: das Gesez verbiete ihr, am Sabbat Geld anzurühren. Dahlheimer, da er merkte, daß noch Geld im nemlichen Sak seie, den die Frau des Juden in der Hand hielt, welches von dem andern, das sie auf den Tisch ausgeleert hatte, durch ein Band getrennt war, bemächtigte sich dessen auch und sagte: dieses könnte uns auch dienen; worauf wir den Juden verliesen, der sich noch in meine Freundschaft empfahl; ich sagte ihm, daß so lang er dem besagten Klar Geld zahlte, um mich festzusezzen, würde er mir ebenfalls zahlen. Nebst den vier Louisd’or welche die Frau auf den Tisch ausgelegt hatte, bekamen wir also noch ohngefähr vier und zwanzig Dukaten und einen Maxd’or.
Ich bin sogar im Stand darzuthun, daß meine Frau diese Nacht nicht bei mir war; denn in der nemlichen Nacht war ich mit gesagtem Dalheimer zu Mittelbollenbach bei einem gewissen Eckar, Goldschmitt und meine Frau waren bei einem Jaspishändler zu Vollmersbach, dessen Namen ich nicht weiß.
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