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Teil 50
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. (359-373)

Posted 19-10-2003

 
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[16. September 1802, Mainz][...]

359) Ihr habt in eurer Antwort auf die 25ste Frage gesagt, daß der Oehl-Müller Bollenbach zu Oberhausen für euch zu Kreuznach Schießpulver gekauft habe; zu welcher Zeit geschah dies, von wem waret ihr damals begleitet, und welchen Gebrauch wolltet ihr von dem Schießpulver machen?

Antw. Ich erinnere mich weder der Zeit noch meiner Kameraden mehr, dann ich war so oft auf dieser Mühl, daß es mir unmöglich ist, wann diese Sache geschah, genau anzuzeigen; ich glaube jedoch, daß es vergangenen Winter war, als ich mit Christian Rheinhard, Johann Martin Rinkert, Krug Joseph und andern in dieser Gegend war. Ich gebrauchte das Pulver bei keinem Diebstahl. Ich kann sogar gar nicht sagen, daß mir Bollenbach Kugeln gegossen habe, ich kann vielmehr glauben, daß er mir blos Jagdblei zu Kreuznach gekauft hat. Bollenbach konnte auch glauben, daß ich mich dessen zur Jagd bedienen wolle.

360) In eurer Antwort auf die 58ste Frage sagtet ihr, daß das Pferd, welches ihr zu Hundsbach mit Allenbachers Peter gestohlen habt, durch Grote von Ekkelsheim auf das rechte Rhein-Ufer geführt worden, und in der Antwort auf die 235ste Frage sagtet ihr, ihr hättet euch bei Grote mit den zu Limbach gestohlenen Pferden aufgehalten. Habt ihr nicht diese beide Handlungen miteinander vermischt, und auf welche Art sind diese verschiedne Sagen zu vereinigen?

Antw. Grote führte mir nur das zu Hundsbach gestohlene Pferd auf das andere Rheinufer, ich habe mich aber auch in seinem Haus aufgehalten mit den zwei zu Limbach gestohlenen Pferden.

361) Auf welche Art habt ihr dann das Pferd zu Hundsbach gestohlen?

Antw. Allenbachers Peter führte mich bis zum Stall, er gab mir auch eine Pflugs-Schaar um die Thüre zu sprengen; aber ich hatte nicht nöthig mich derselben zu bedienen, dann ich gieng in die Scheuer durch ein in der Wand befindliches Loch. Von da stieg ich in den Stall hinunter, wo ich das Pferd nahm und durch die Thüre wieder aus dem Stall ging, die ich inwendig, indem ich den Riegel wegschob, öffnen konnte.

362) Ihr habt in eurer Antwort auf die 141ste Frage gesagt: Allenbachers Peter habe einmal von dem Müller auf der Alten-Hekker-Mühl Geld erpreßt; könnt ihr über diese That Proben aufstellen und uns sagen, wo diese Mühle liegt?

Antw. Diese Mühle liegt bei Lelbach, Departments der Saar. Allenbachers Peter hat mir selbst erzählt, daß er, Johann Seibert und Peter Zuchetto, meinen Namen mißbraucht und dem Müller von Althek eine ziemlich starke Summe auferlegt haben, wenn ich nicht irre, von zwei hundert Gulden, die er ihnen auf die Hotten-Mühl bringen sollte, welche Aufforderung auch der Müller befolgt habe. Der Müller von der Hotten-Mühl, den ich befragte, ob diese That wahr sei, bestättigte sie mir. Es ist der alte Müller von der Hotten-Mühl, von dem ich spreche, dessen Namen ich aber nicht weiß.

363) In eurer Antwort auf die 151ste Frage habt ihr gesagt, daß die Frau von Edinger für euch zu Baumholder Wachs gekauft, und daß sie den Gebrauch gewußt, den ihr davon machen wolltet; könnt ihr euch der Umstände erinnern, wodurch der Beweis gemacht werden kann, daß die Frau Edinger diesen Gebrauch gewußt hat?

Antw. Es war das erstemal, daß ich auf den Breitzester Hof gekommen war, ich wußte aber zuvor schon aus der Erzählung von Benzel, daß dieser Hof eine Räuber-Höhle sei. Wir sagten zur Frau des Edinger, wer wir wären; sie wußte also, daß sie mit Dieben zu thun habe, auch sagte ich ihr, daß sie zum Sohn des Juden Löb zu Baumholder gehen solle, um da Schieß-Pulver, Fleisch und Wachs, alles auf meinen Namen, zu holen; sie brachte würklich Fleisch und Wachs, aber kein Pulver, weil zu Baumholder keines war. Wir machten auch Kerzen von diesem Wachs, in der Küche und in Gegenwart der Frau des Edinger, sie konnte also wohl wissen welchen Gebrauch wir davon machen wollten; da sie aber nicht wußte, daß wir gesonnen seien, zu Ulmet einen Diebstahl zu begehen, so wußte sie folglich auch den besondern und bestimmten Gebrauch nicht, den wir von dem Wachs machten.

364) Ihr habt in eurer Antwort auf die 191ste Frage gesagt, daß Schwarz-Peter dem Mord von Blakkenklos zu Baldenau beigewohnt habe, und in eurer Antwort auf die 328ste Frage erwähnt ihr nur von Seibert, Klärs-Philipp, Jakob Fink, und von der Bootslise: Besteht ihr darauf, daß Schwarz-Peter bei besagtem Mord zugegen war?

Antw. Es ist ein Irrthum in meiner Antwort auf die 191ste Frage, Schwarz-Peter war damals nicht zugegen.

365) Wo habt ihr Leyendecker die Halstücher übergeben, wovon ihr in eurer Antwort auf die 256ste Frage gesprochen habt?

Antw. In dem Hause des Johann Leydecker zu Lauschied, und in Gegenwart von Christoph Blum und Peter-Henrich-Hannadam. Der Angeklagte berichtigt seine gegenwärtige Antwort, daß er diese Halstücher Leydecker nicht in seinem Haus, wohl aber in einem Garten neben dem Ort übergeben habe.
366) Sind die Namens Brixius von Abtweiler und Baumann von Staudernheim nicht zugegen gewesen, als ihr die Halstücher besagtem Leydecker übergeben habt?

Antw. Nein.

367) Kannten euch besagte Baumann und Brixius zuvor schon?

Antw. Baumann sah mich zuvor schon, und den Tag darauf, als ich Leydecker die Halstücher gab, macht ich die Bekanntschaft von Brixius. Ich machte jedem dieser beiden ein Geschenk von einem Halstuch und dem Brixius nebst dem noch von einer Meerschaumnen Pfeife.

368) Wißt ihr den Namen des Juden nicht, dem ihr die Halstücher gestohlen habt.

Antw. Nein.

369) War der Jude, dem ihr die Halstücher gestohlen habt, allein, oder war er noch von andern begleitet?

Antw. Es waren noch zwei Juden bei ihm, wovon der eine zu Schweinschied wohnte.

370) Worin bestand der Diebstahl den ihr an diesem Juden begangen habt?

Antw. Es waren einige Halstücher, höchstens achtzehn bis vier und zwanzig, Zeug für Weiberschürze und Spiegel; wir zerbrachen die Spiegel und Leydecker bekam die Halstücher mit dem Zeug.

371) Habt ihr nicht auch besagtem Juden drei Gulden genommen?

Antw. Nein.

372) Habt ihr keine Gewaltthätigkeiten an gedachtem Juden ausgeübt?

Antw. Der Jude wollte sich widersezzen, er gab mir selbst einen Streich, worauf ich ihn mit meiner Flinte schlug.

373) Waren eure Kameraden auch bewaffnet?

Antw. Ja, sie hatten auch Flinten bei sich.
[...]

 
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