Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[1. September 1802, Mainz][...]
313) Wißt ihr nicht, warum der Sohn von Johannes Berg, durch die Brüder Zerfas von der Langenhek bei Vilmar umgebracht worden?
Antw. Es war in einem Wortstreit, worin Berg dem genannten Zerfas vorwarf, daß er ein Gewölb bestohlen habe, worin die Nonnen eines Klosters in selbiger Gegend ihre Kostbarkei-ten verborgen gehabt.
314) Was war dann die Ursache, weswegen Johann Adam Berg der Vater, im Gefolg dieses Mords seines Sohns, in Verhaft genommen worden?
Antw. Ich weiß es nicht.
315) Wißt ihr nichts von dem Diebstahl, welchen besagter Berg zu Nonnhausen bei Simmern begieng?
Antw. Nein.
316) Wie alt ist der Namens Johann Adam (Juber) Krämer und Musikant von Hinzerod, von dem ihr in eurer Antwort auf die 191ste Frage gesprochen habt?
Antw. Es ist ein Mann von dreisig Jahr.
317) Wißt ihr nicht, ob besagter Adam Berg zu Kirchberg, wegen einer zu Laufersweiler begangenen Gelddiebstahl verhaftet war?
Antw. Nein.
318) Wann trat die Tochter des besagten Berg in eure Dienste?
Antw. Auf Ostern ein tausend acht hundert eins. Sie verließ mich gegen Weyhnachten und kam vergangenes Frühjahr wieder zu mir; seit dieser Zeit verließ sie mich nicht mehr, bis zu meiner Verhaftung zu Limburg.
319) Habt ihr nicht einmal den Plan gemacht, mit besagtem Adam Berg zu Mettenheim einen Diebstahl zu begehen?
Antw. Nach dem Diebstahl von Erbesbüdesheim kam ich mit Johann Nikolaus Müller, Butla genannt, nach Lerchenhof; ich fand da besagten Berg, der ein Allmosen von mir begehrte. Ich gab ihm einen weißen Rok, dem ich dem Juden zu Erbesbüdesheim gestohlen hatte. Bei dieser Gelegenheit sagte mir Berg, er wisse zu Mettenheim einen Juden der viel Geld habe, er wolle die Pläzze ausspähen, damit wir ihn bei meiner Zurükkunft über den Rhein, wohin ich hierauf gieng, bestehlen könnten. Da ich aber Berg auf dem linken Rheinufer nicht mehr sahe, so wurde dieses Vorhaben nicht ausgeführt.
320) Ihr habt in eurem vorhergehenden Verhör gesagt, daß dieser Berg sich besonders darauf verlegt habe, auf Märkten Diebstähle zu begehen: Könnt ihr keine genauere Auskunft deßfalls geben?
Antw. Ich weiß dies nicht allein von gesagtem Berg, sondern auch von seiner Tochter. Ich weiß, daß er auf dem Benzheimer Markt, wo er sich gegen Pfingsten ein tausend acht hundert eins aufhielt, Schuhe gestohlen hat, und ich habe ihm selbst ein Paar von diesen Schuhen abgekauft und mit dreizehn Bazzen bezahlt.
321) Bei wem habt ihr zu Kleinrohrheim gewohnt, als die Tochter des Berg in eure Diensten trat?
Antw. Bei einem gewissen Altdorfer, der nicht wußte, daß ich Schinderhannes sei, sondern würklich glaubte, daß ich ein Kaufmann wäre und Jakob Ofenloch heiße.
322) Hattet ihr nicht ehemals den Namen Daniel?
Antw. Nein ich habe niemals diesen Namen gehabt.
323) Habt ihr nicht einmal Wortwechsel gehabt mit denen Krügkrämern, Namens Grünewald?
Antw. Wilhelm Rheinhard fieng mit dem besagten Grünewald, in einem Garten ausser dem Ort, einen Wortwechsel an, ich kam mit Christian Rheinhard; unsre Gegner waren die Brüder Stephan, Ludwig und Johann Adam Grünewald, ihre Schwäger Peter Weingärtner, genannt Lange Peter, Peter, N. genannt Herzog, auch rauhe Peter; endlich nahmen Martin Delis, genannt Zahnfranzen Martin, und dessen Bruder Henrich Delis, der durch Lorenze Peter, bei Darmstadt umgebracht worden, die Flucht. Auf meiner Seite waren noch nebst den Brüdern Rheinhard, Johann Adam Hofmann, genannt Peter Henrichs Hann-Adam. Was diese Grüne-wald und ihre Schwäger angeht, so weiß ich nichts, das sie verdächtig machen könnte, ausgenommen, daß sie auch Landstreifer und Kameraden von Zahnfranzen Martin sind, welcher, wie sie wissen, mehrere Diebstähle begangen hat.
324) Habt ihr nicht im Monat November, ein tausend acht hundert auf dem Reichenbacher Hof, einem gewissen Johann Peter May, von Spabrükken einen Brief gegeben, um ihn dem Verwalter des Eisenwerks zu Grevenbach zu geben, und worin ihr von gedachtem Verwalter zwanzig Louisd’or als ein Darleihen begehrt habt?
Antw. Nein.
325) Hat euch nicht besagter Verwalter durch einen gewissen Matheus Haupt den andern Tag wissen lassen, daß er euch gar kein Geld zu geben habe, und habt ihr nicht gedachtem Haupt geantwortet, ihr würdet nun zum erstenmal Christen angreiffen?
Antw. Nein.
326) Seid ihr nicht den zweiten Tag darauf an gedachter Eisenhütte vorbeigegangen und habt ihr nicht noch am nemlichen Tag, auf der Landstraße bei Eckweiler die Bürger Karl Anspach und Jakob Hanzmann von Monzingen beraubt?
Antw. Nein.
327) Habt ihr dann niemals den Verwalter von Grevenbach einen Brief geschrieben oder von euern Kameraden schreiben lassen, worin ihr Geld von ihm gefordert habt?
Antw. Nein.
Worauf wir dem Beschuldigten die zwei, N.o 305 der Procedur-Ackten beiliegende Briefe vorgezeigt und ihn aufgefordert haben, zu sagen: ob er uns nicht den Verfasser dieses Briefs anzeigen könne?
Er antwortete, er kenne die Schrift nicht.
328) Wißt ihr nichts von einer Schlägerei, die zu Lindenschied, im Monat September ein tausend sieben hundert fünf und neunzig vorgefallen, und wobei ein Mann umkam, und zween andere gefährlich verwundet worden?
Antw. Ich weiß von Johannes Leydecker von Lauschied, der bei dem Streit zugegen war, welcher zwischen einem gewissen kleinen Schnallepitchen, Jakob Krämer von Lippshausen, Blackenklos und Georg Reidenbach von Lauschied vorgefallen war. Bastian blieb todt auf dem Plaz: Schnallepitchen starb einige Tage drauf an seinen Wunden. Jacob Kremer, auch der Buchbinder oder Ildes-Jakob genannt, wurde zu Koblenz guillotinirt; Blackenklos wurde zu Baldenau von Johann Seibert in meiner Gegenwart umgebracht und Georg Reidenbach Lauschieder Hanjörg genannt, wurde zur Galeere verurtheilt.
[...]
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