Das Verhör
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Posted 19-10-2003
[25. August 1802, Mainz][...]
268) In eurer Antwort auf die 252ste Frage des gegenwärtigen Verhörs sagtet ihr, ihr seiet nach dem Diebstahl von Ulmet auf die Treberhannes-Hütte gegangen, und habet auf dieser Hütte getanzt? Sagt mir nun: ob der Eigenthümer dieser Hütte zu Haus war, ob ihr zuvor in seinem Haus waret, und ob ihr ihn gekannt habt?
Antw. Der sogenante Wald oder Treberhannes, dessen wahren Namen ich nicht weiß, war nicht zu Haus, wohl aber seine Frau, seine Tochter und sein Tochtermann; sie kennen mich seit langer Zeit, weil ich oft auf seiner Hütte war, ich kann nicht sagen, ob sie auch jene von meinen Kameraden kennen, die nach dem Diebstahl von Ulmet bei ihnen waren.
269) Habt ihr nicht Theil an dem Diebstahl genommen, der in der Nacht vom zwanzigsten auf den ein und zwanzigsten Nivos achten Jahrs, von fünfzehen mit Flinten bewaffneten Räubern, in dem Hause des Peter Riegel von Ozweiler, Kanton Grumbach begangen worden, welcher, als er sich retten wollte, durch einen Flintenschuß getödtet wurde?
Antw. Ja, ich will ihnen alles gestehen, was sich hiebei zugetragen hat: Ich war oft auf dem sogenannten Welcherterhof. Eines Tages kam ich dahin mit Philipp Gilchert von Wiesweiler und Karl Engers von Sonnschied. Der Sohn des Hofmanns, Heinrich genannt, hatte Umgang mit der Tochter eines Namens Riegel von Ozweiler; allein erhielt abschlägliche Antwort, und die Tochter heurathete einen jungen Menschen von Limbach. Aufgebracht hierüber, munterte er uns auf, besagten Riegel zu bestehlen und sagte: er habe neun hundert Gulden von der Gemeinde Krebsweiler empfangen, sein Tochtermann habe fünfhundert Gulden beigebracht, und der alte Riegel müßte überdies auch noch viel Geld bei sich haben. Auf unsere Antwort, daß wir nicht auf dem Plaz bekannt seyen, führte gedachter Heinrich mich sowohl, als den Philipp Gilchert in das Ort und zeigte uns des Riegels Haus. In der Rükkehr begegneten wir einem andern Sohn des Hofmanns, Namens Hannes, der so eben von Kirnbecherbach kam, und einem Namens Peter Stibiz von Ozweiler, der, wenn ich nicht irre, von Sienhachenbach gebürtig ist. Dieser Mann erzählte uns, daß Juden von Mainz zu Becherbach angekommen seyen und bald wieder zurük nach Haus giengen. Hierauf giengen Engers, Gilchert, Stibiz und ich auf der Krebsweiler zu. Die Juden kamen wirklich an, aber sie waren von einer Menge bewaffneter Bauern begleitet; wir kamen ihnen also zuvor und begaben uns auf den Steinerterhof, in der Absicht, sie da zu erwarten. Auf diesem Hof trafen wir Johannes Seibert von Lippshausen mit Christoph Blum von Lautert an. Diese vereinigten sich mit uns, und wir beraubten wirklich die gedachte Juden auf dem Weg zwischen Monzin-gen und Böckelnheim, in der Gegend vom sogenannten Domberg. Nach diesem Raub giengen wir durch Schmidtburg nach Kirchen-Bollenbach. Ich fand da die Johann Nikolaus Gimbels Wittib, den Karl Benzel und den Feldschüz von Dickesbach, genannt Husaren-Philipp, welchen Namen er von seinem Vater, der ehemals Husar gewesen, hat. Benzel beklagte sich, daß er kein Geld habe, wir theilten ihm den Vorschlag mit, welchen uns der sogenannte Henrich, des Hofmanns von Welchert Sohn gemacht hatte. Benzel trat diesem Vorhaben bei, und er brachte noch die Namens Jakob Benedum von Konckenlangenbach, Johannes Welsch von Heimbach, Adam N. Glaser von Ruschberg und einem Franzosen, dessen Namen ich nicht weiß, mit; Carl Engers holte noch den Peter Dahlheimer von Sonnschied. Von Kirchenbollenbach, wo wir uns in dem Hause des Henrich Gimbel, genannt Harz-Henrich versammelten, giengen wir nach der Schmitthachenbacher-Mühl. Ich war in der Küche bei der Müllerin, die beschäftigt war, uns ein Essen zu machen, als ich einen Schuß hörte, welchen Johannes Welsch nach dem Glasser Adam that. Johann Seibert von Lippshausen und ich stellten die Ordnung wieder her, indem wir dem besagten Johann Welsch einige Hiebe gaben. Von dieser Schmitthachenbachermühl begaben wir uns gera-denwegs, und noch in der nämlichen Nacht nach Ozweiler. Ich klopfte an der Thüre an. Der Tochtermann des besagten Riegels machte sie auf, ich trat mit Carl Benzel und Carl Engers in das Haus; indem wir beschäftigt waren ein Licht anzuzünden, hörte ich vor der Haus einen Flintenschuß, ich gieng sogleich hinaus und fand einen Mann aus dem Hause, der von diesem Schuß getödtet worden. Stibiz sagte mir, daß er den Mann erschossen habe, weil er ihn gekannt und mit Namen genannt hätte: da ich mit dergleichen Leuten nichts mehr wollte zu thun haben, zog ich mich gleich mit Benzel, Seibert, Blum, Gilchert und Stibiz zurük. Wir nahmen unsern Weg nach dem Soonwald, wo wir uns in einer Barak, Hannes-Hütt genannt, bei Schwarzerden aufhielten. Nachdem wir diese Barak verlassen hatten, beraubten wir noch auf dem Weg zwischen Hene und Schwarzerden, in der Gegend von der sogenannten runden Buch, zwei Bauern von der Mosel um drei hundert Gulden. Wir theilten diese Beute auf dem Schloß Koppenstein. Seibert und Blum verliesen uns da. Benzel und Gilchert trennten sich auch von mir, und es war in dieser Zeit, wo ich mich mit Stibiz zum erstenmal auf das rechte Rheinufer begab. Der Abdekker von Boundenbach diente uns als Bote bis nach Bingen. Ich verließ Stibiz in dem Rheingau, und habe ihn seitdem nicht mehr gesehen. Dieser Stibiz ist ein Zimmermann; ein Bauer aus der Gegend von Wiesselbach, sagte mir, er habe ihn auf dem Markt von Breunigeborn gesehen, ich vermuthe daher, daß er sich auf dem linken Rheinufer aufhält. Ich füge noch bei, daß ich einstmal von Franz Rüb gehört habe, der genannte Henrich, Sohn des Hofmanns von Welchert, habe einmal zu Alben, bei Razweiler mit Carl Engers und dem Feldschüz von Dikesbach, der Husaren-Philipp genannt, einen Diebstahl begangen.
270) Henrich Gimbel, Harz-Henrich genannt, bei dem ihr euch versammelt habt, wußte er nichts von eurem Vorhaben, den Diebstahl zu Ozweiler zu begehen?
Antw. Nein.
271) Habt ihr nicht in der Nacht vom drei und zwanzigsten auf den vier und zwanzigsten Nivos achten Jahrs, den Müller zu Schmitthachenbach gezwungen, euch zu essen zu geben und habt ihr ihm nicht bei der nehmlichen Gelegenheit mehrere Sachen mitgenommen?
Antw. Dieß muß die nehmliche That seyn, wovon in der vorhergehenden Antwort die Rede ist, allein ich weiß nicht, daß man Effekten mitgenommen hat.
[...]
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