Das Verhör
Diese Seite sieht in einem modernen Browser besser aus, aber der Inhalt kann auch mit älteren Browsern oder Geräten betrachtet werden.Ich empfehle Ihnen auf einen neuen Browser umzusteigen.
Posted 19-10-2003
[20. August 1802, Mainz][...]
252) Auf welche Art und bei welcher Gelegenheit habt ihr die Bekanntschaft des Franz Beyer, dem sogenannten Scheelen Franz gemacht?
Antw. Ich habe seine Bekanntschaft zu Haßloch auf der rechten Rheinseite wenige Zeit vor dem Diebstahl zu Würges gemacht. Christian Rheinhard und Peter-Henrichs-Hannadam waren bei uns; dieser leztere ist ein Gevatter zum Scheelen Franz.
Ein zweitesmal habe ich ihn gesehen und gefunden bei Wisloch mit Korb-Hannadam; Christoph Blum und Peter-Henrichs-Hannadam waren bei mir.
Wir giengen bei Gernsheim über den Rhein; von da begaben wir uns auf den Lerchenhof, wo wir den alten Müllerhannes und Lorenze-Peter antrafen, von da haben wir uns nach Iben begeben, wo wir uns aufgehalten haben. Peter Hassinger, welcher den Scheelen Franz schon lang kennt, hat ihn bei mir gesehen. Von Iben sind wir in den Wald beim Hühnerhof gegan-gen; Johannes Leydecker, sein Schwager Blattau und der Förster Brixius sind zu uns gekom-men, damals machte der nemliche Brixius den Vorschlag, einen Juden zu Illingen zu bestehlen. Der Sammelplaz wurde bei Wolfersweiler, wo Leydecker und Brixius zu uns kommen sollten, fest gesezt; Leydecker wurde den folgenden Tag arretirt und diese Verhaf-tung war die Ursache, daß er und Brixius nicht auf besagten Sammelplazgekommen sind. Wir haben aber demohngeachtet unsern Weg bis nach Illingen fortgesezt, und weil wir die Gegend nicht kannten, haben wir unserm Anschlag entsagt. In der Gegend von Illingen verließ uns Müllerhannes. Ich bin mit den andern auf den Breitzesterhof zurük gekehrt, wo wir Jakob Porn von Eschenbach antrafen, welcher mit uns nach Ulmet gegangen ist, wo wir einen Juden beraubt habe. Nach dem Raub haben wir uns bis auf die Treberhannes-Hütt begeben, wo wir getanzt, und die Namens Ludwig von Hahnenbach, Michel Quint von Sesbach und ein andrer, den ich nicht kenne, Musik gemacht haben.
Zu dieser Zeit hatten wir einen Vorfall mit einem Gendarmen, nach welcher That wir unsern Weg über Steigert, Iben, Lerchenhof, Hamm und auf die andre Rheinseite fortsezten, wo wir uns trennten, ohne ihn seither gesehen zu haben.
253) Als ihr nach dem Staudernheimer Diebstahl, in den Wald bei Iben gekommen seid, habt ihr gesehen, daß Georg Friederich Schulz dem Müller Rupp von Iben, einen Abschnitt Ziz als Geschenk gegeben hat?
Antw. Ja, es war ohngefähr eine Elle hiesiger Gegend.
254) Wisset ihr nichts von einem an einem Juden verübten Straßenraub, welcher von Peter Gillmann von Abtweiler und Philipp Schmitt von „Isibodenberg“ begangen worden seyn soll?
Antw. Ja, ich habe davon reden hören; ich weis, auch daß diese zween Individuen zu Birkenfeld angehalten worden sind; ich kann aber keine umständliche Erzählung über diese Sache geben.
255) Wisset ihr nicht, ob Franz Brixius von besagtem Abtweiler Theil an diesem Diebstahl genommen hat?
Antw. Nein.
256) Wisset ihr nicht mehr, daß Johannes Leydecker von Lauschied einmal wegen gestohle-nen seidenen Tüchern ist arretirt worden?
Antw. Ja, ich habe selbsten diese besagten Tücher mit Peter-Hennrichs-Hannadam und Christoph Blum, einem Juden von Offenbach auf der Straße zwischen Odernheim und Boos gestohlen und habe selbige dem Johannes Leydecker in Kommision zum Verkauf gegeben.
257) Habt ihr diesen Auftrag dem Johannes Leydecker in Gegenwart des besagten Brixius und Baumann gegeben, und habt ihr nicht in Gegenwart dieser zwei Personen gesagt, daß ihr ein französischer Ausreisser seid?
Antw. Nein, ich weiß nichts von diesem.
258) Hat euch Leydecker nicht erzählt, daß besagter Brixius und Baumann zu seinen Gunsten dies Zeugniß abgelegt haben?
Antw. Nein, die Geschichte der Tücher hat Anlaß zur Verhaftung des Leydeckers gegeben, welche bis zu seiner Flucht, so zu Koblenz erfolgte, gedauert hat.
259) Habt ihr keine Wissenschaft von etlichen Drohbriefen welche an den Pfarrer Martini von Wersbach und an die Juden Daniel und Nathan Moschen geschrieben worden sind, und unterzeichnet waren, Hannes durch den Wald?
Antw. Nein, es wäre möglich, daß die zwei lezten Briefe von einem Namens Orth von Kallenfels herrühren.
260) Habt ihr einmal eine Jagdtasche bei dem Sattler Hofmann zu Meissenheim machen lassen, mit der Ueberschrift, Hannes durch den Wald?
Antw. Nein, Hannes Leydecker hat mir eine solche Jagdtasche verschaft, indem er mir sagte, daß er sie selbst gemacht habe.
261) Kennt ihr den Peter Distler von Hundsbach?
Antw. Ja, er ist gebürtig von Schmitthachenbach; er wohnt in Hundsbach neben dem Peter Grünewald, und ich weiß von dem leztern, daß er einmal mit besagtem Distler, Peter Zuchetto von Urtzig und Johannes Seibert von Lipshausen nach Schmitthachenbach gegan-gen ist, in der Absicht, einen Bauern allda zu bestehlen. Daß sie schon an seiner Thür geklopft hatten, indem sie um ein Nachtlager bei ihm ansuchten, und daß auf die Antwort des Bauern, daß er sie nicht beherbergen könne, weil er so viele Franzosen in seinem Haus habe, sie sich zurük gezogen haben.
[...]
Archiv | Links | Wunschzettel
Digitalkameras aller Hersteller bei Directshopper
Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder.
Ein Anspruch auf Veröffentlichung im Rheinhessenarchiv :: Genealog besteht nicht.
Ich behalte mir die Kürzung von Beiträgen vor.
Copyright 2000-2003 Melanie Langenhan, Königsberger Str. 33, D-55268 Nieder-Olm
webmaid at web.de - Alle Rechte vorbehalten -
Rheinhessen, Genealogie und Geschichte ... Rheinhessenarchiv :: Genealog
i