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Teil 40
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. (241-251)

Posted 27-9-2003

 
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Fortsezzung, Mainz den fünf und zwanzigsten Thermidor zehnten Jahrs, des Abends um fünf Uhr.

241) Beharret ihr darauf, daß eurer bei dem Diebstahl zu Merxheim, nur vier an der Zahl gewesen seid?

Antw. Ja, und der Müller bei welchem wir vor dem Diebstahl waren, wird solches bezeugen können.

242) Ihr habt in euren Verhören gesagt, daß der Diebstahl zu Merxheim ohne Gewalt gegen Leute ausgeübt zu haben, begangen worden ist, und daß ihr nur die Frau, ein Kind und ein Mädchen gesehen habt: müßt ihr nicht zugeben, daß ihr dem Jud auf den Speicher nachgefolgt seid, allwo er sich hinbegeben hatte um Hülfe schreien zu können und daß ihr ihn so mißhandelt habt, daß er in Ohnmacht gefallen ist?

Antw. Als wir dem Juden begehrt hatten die Thüre zu öffnen und uns zu essen und zu trinken zu geben, hatte es dieser verweigert, unter dem Vorwand, daß seine Frau und Kinder krank seien. Peter-Hennrichs-Hann-Adam sprengte dann den Laden auf. Wir giengen alle hinein, der Jud flüchtete sich auf den Speicher und rufte „Feuer“. Ich folgte ihm mit Peter-Hennrichs-Hann-Adam. Ich forderte ihn zum Schweigen auf, und als er sein Geschrei verdoppelte, gab ich ihm einen einzigen Schlag mit meiner Büchse; worauf er schwieg und sich auf dem Speicher verstekte. Nach diesem sind wir wieder herunter gegangen, und haben die Thüre eines Zimmers im ersten Stok aufgesprengt, wo wir die Frau des Juden, ein Kind und eine Magd angetroffen haben. In diesem Zimmer haben wir aus dem Schranke vier oder fünf silberne Becher, drei paar silberne Schnallen, zween goldene und zween silberne Ringe genommen. Von da sind wir in den Kram-Laden gegangen, wo wir Waaren und beiläufig fünfzehn Louisd’ors an Geld entwendet haben.

243) Seid ihr nicht mit der Frau des Juden wieder auf den Speicher gegangen und habt ihr nicht da den Juden in Ohnmacht, in seinem Blut auf dem Angesicht liegend, angetroffen?

Antw. Als ich dem Juden den Schlag gab, fiel er zu Boden; als wir aber mit seiner Frau wieder hinauf gegangen sind, lag er wirklich auf dem Boden; auch habe ich Blut gesehen; der Jud war aber so wenig in Ohnmacht, daß er mit uns sprechen konnte, daß er uns bat, seine Frau nicht zu mißhandeln und uns sogar einen Schlüssel, für einen Schrank aufzumachen gab.

244) Ausser den Sachen, welche ihr schon angezeigt, habt ihr nicht auch gestohlen:
a) Einen sechsten Becher?

Antw. Nein.

b) Einen silbernen Kredenz-Teller?

Antw. Nein.

c) Drei andere goldene Ringe, wovon einer mit einem rothen Stein besezt war?

Antw. Nein.

d) Granaten?

Antw. Ja.

e) Silberne mit Stein besezte Haften?

Antw. Nein.

f) Eine silberne Hutfeder?

Antw. Nein.

g) Zwei silberne Halsbänder mit goldenen Zierrathen?

Antw. Es waren dergleichen Sachen unter den Granaten.

h) Silbernes Kinderspielwerk?

Antw. Nein.

i) Dreisig Louisd’ors in Gold?

Antw. Nein.

k) Drei taffente Schürze und fünf Halstücher?

Antw. Nein, mit Ausnahm eines Halstuchs.

245) Die Summe, welche ihr in dem Kram-Laden genommen habt, belauft sie sich nicht auf dreihundert Gulden, statt fünfzehn Louisd’ors, welche ihr angegeben habt?

Antw. Nein.

246) Habt ihr nicht auch ein paar Ohrringe genommen?

Antw. Nein.

247) Welcher war dann der Werth der gestohlenen Sachen?

Antw. Er kann sich höchstens auf drei hundert fünfzig Gulden belaufen.

248) Würdet ihr noch die Briefe, welche ihr durch Leonhard Körper dem Heinrich Zürcher vom Neudorfer-Hof geschikt habt, erkennen können?

Antw. Ja.

Worauf wir dem Angeklagten die drei Briefe, welche dem Verbal-Prozeß des Friedensrichters des Cantons Obermoschel vom 8ten Germinal zehnten Jahrs N.o 14 b. des Prozesses beigefügt sind, vorgewiesen.
Der Angeklagte hat selbige erkannt und erklärt: daß diejenigen unter N.o I et 3 durch Johannes Leydecker und dasjenige unter N.o 2 durch ihn geschrieben worden ist.
Worauf wir die drei besagten Briefe paraphirt und durch besagten Angeklagten ebenfalls paraphiren lassen.

249) Ihr habt schon eingestanden, daß ihr den Raub auf den Müller Adam Krazmann bei Merxheim bestohlen habt? sagt mit jetzt, auf wessen Anstiftung, mit wem und auf welche Art habt ihr diesen Diebstahl begangen?

Antw. Ich befand mich zu dieser Zeit mit meinen Kameraden Schwarzpeter, Johannes Leydecker, Krug-Joseph, Johann Martin Rinkert und Johann Nikolaus Müller zu Lettweiler. Wir waren in den Häusern des Heinrich Schmitt, Philipp Weber und Jakob Müller zerstreuet. Ich befand mich mit Johannes Leydecker in dem leztern. Wir waren von Geld ganz entblößt, Johannes Leydecker sagte, daß wir dessen stehlen müßten, wenn wir wo zu finden wüßten.

Gustav Müller antwortete in Gegenwart seines Bruders Jakob Müller, und wenn ich mich nicht irre auch in derjenigen des Philipp Weber, daß er eines Tags bei Gelegenheit eines Spelzhandels, viel Geld bei dem Müller Krazmann zu Merxheim gesehen habe und daß, wann wir Geld benöthigt wären, nur solches bei besagtem Müller nehmen sollten. Auf diesen Bericht haben wir uns versammelt und haben Lettweiler bei anbrechender Nacht verlassen. Als wir an die Nahüberfahrt bei Monzingen kamen, haben wir uns entschlossen, die Verrichtung unsers Anschlags wegen dem Schnee, welcher gefallen war, zu verschieben, weilen selbiger unsere Nachstellung hätte erleichtern können. Wir begaben uns dann auf die Nahmühl, welche derjenigen, welche wir bestehlen wollten, gegenüber liegt. Den folgenden Tag fiel annoch Schnee, darum wollte ich die Verrichtung abermal verzögern: Aber die Meinung der anderen, welche voll Brandwein waren, überwog, und die folgende Nacht wurde der Diebstahl begangen.

Wir sind durch die Hausthür eingegangen, welche uns durch den Müller oder seine Frau ist aufgeschlossen worden. Wir fiengen an Essen und Trinken zu begehren, und der Müller gab uns Kaffe ohne einige Schwierigkeit. Während dem wir solchen tranken, begehrte Leydecker ein Paar Strümpfe, welche man ihm abschlug. Auf dieses ergriffen besagter Leydecker und Schwarz-Peter den Müller und seine Schwiegermutter, warfen sie zu Boden, und banden ihnen die Hände. Ich und Johannes Leydecker nahmen die Frau des Müllers, um mit derselben das Haus zu durchsuchen um Geld zu finden. Sie gab uns alsobald aus einem Koffer, welcher sich in einem Zimmer gegen demjenigen über, wo der Müller war, befand, einen Louisd’or in Gold. Nach diesem führte sie uns in den Keller, wo sie uns einen erdenen Hafen, welcher leer war, zeigte, sagend: daß sie ihr Geld in diesem Hafen gehabt hätten, wüßte aber nicht mehr, was daraus geworden seie. – Wir drangen stark darauf, daß sie Geld in dem Haus haben sollten, und fuhren mit unseren Untersuchungen fort. Sie führte uns in ein Zimmer oben auf, wo wir in einer Kist oder in einem Schrank fünfzehn Louisd’or in Silber und etliche Kleidungsstükke fanden.

Als wir in das Zimmer, wo ich den Müller und seine Schwiegermutter verlassen hatte, wieder herunter gekommen waren, fand ich sie noch gebunden, das Hemd der alten Frau brannte, ohne daß ich weiß, auf welche Art sich dieses zugetragen hat. Ich ergriff einen mit Wasser gefüllten Hafen, welchen ich auf sie ausschüttete, um das Feuer auszulöschen und schnitt die Bande des Müllers entzwei. Ich bemerke, daß Johann Martin Rinkert oder Schwarzpeter noch fünfzehn Gulden von der alten Frau erhalten hatten, welche sie mir einhändigten, um die Austheilung des Ganzen zu machen. Ich bemerke endlich, daß Johann Nikolaus Müller nicht in das Haus gegangen ist, und daß wir alle dermaßen von Brandwein betrunken waren, daß es möglich ist, daß ich einige kleine Umstände vergessen habe kann.

250) Habt ihr das Dorf Lettweiler alle miteinander verlassen?

Antw. Nein, Philipp Weber führte den Schwarz-Peter und Krug-Joseph zu uns an einen Hügel zwischen Lettweiler und Odernheim, welcher für den Sammelplaz bestimmt war. Johann Nikolaus Müller und Johann Martin Rinkert kamen auch dahin entweder mit Gustav Müller oder mit Heinrich Schmitt. Was mich und Leydecker anbetrift, so sind wir ganz allein dahin gegangen.

251) Ihr habt gesagt, daß der Müller oder seine Frau euch die Hausthür geöffnet hätten; müßt ihr nicht eher gestehen, daß einer von euch durch ein Fenster, an welchem er eine Scheibe eingestoßen, eingestiegen ist, und den andern sogleich die Thüre aufgemacht hat?

Antw. Nein, wir haben an dem Zimmerfenster geklopft, wo die Müllerinn geschlafen hatte; diese, nachdem sie uns geantwortet, benachrichtigte ihren Mann, welcher gekommen ist, uns die Thüre aufzumachen.

Nachdem besagtem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt worden war, erklärte derselbe, daß solches wahrhaft niedergeschrieben ist, Wahrheit enthält und hat mit uns obenbenanntem Richter und Commis-Greffier unterschrieben. Zu Mainz den Tag, Monat und Jahr, wie oben, des Abends um acht Uhr.

Unterschrieben: Wernher, Johannes Bückler und Brellinger mit Handzügen.

 
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