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Teil 39
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. (236-240)

Posted 27-9-2003

 
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Fortsezzung, Mainz den drei und zwanzigsten Thermidor, zehnten Jahrs, des Abends um sechs Uhr.

236) Ihr habt schon eingestanden, daß ihr den Pächter Zürcher vom Neudorf mit Christian Rheinhard, Johannes Leydecker, Johann Adam Steininger von Trombach und Krämer-Antons-Joseph von Feil bestohlen habt: sagt mir izt auf welche Art dieser Raub begangen worden?

Antw. Nachdem Jakob Müller uns angezeigt hatte, daß der Pächter Zürcher vom Neudorferhof viel Geld in seinem Haus habe, begab ich mich mit den euch schon bekannten Kameraden an seinen Hof; nachdem wir an der Thüre geklopft hatten, wurde sie uns aufgemacht; wir giengen alle hinein mit Ausnahm des Krämer-Antons-Joseph, welcher draußen blieb. Bei unserm Eintritt in das Zimmer, begehrten wir zu essen und zu trinken, welches uns auch aufgetragen wurde. Ich begehrte dessen auch für meine vor dem Haus gebliebene Kameraden und man gab mir eine Bouteille Brandwein und Käß und Brod; als ich in das Zimmer wieder zurük gegangen war, nahm ich zum Vorwand das Haus aufzusuchen, daß Gendarmen in dem Hof verborgen seyn sollten; der Pächter läugnete es, ich nahm dann ein Licht, indem ich sagte, die Untersuchung selbst vornehmen zu wollen. Als ich in ein Nebenzimmer gekommen war, fand ich vier Gewehre, eine Pistole und einen Säbel darinn; ich bemächtigte mich deren, und sagte noch: „hier sind die Gendarmen“. Ich trug diese Waffen vor das Haus, allwo ich sie dem Krämer-Antons-Joseph übergab; nachdem wir unsere Verrichtung vollendet hatten, händigten wir selbige dem Pächter wieder ein, mit Ausnahme eines Gewehrs und des Säbels; als ich mich durch die Wegnehmung besagter Waffen versichert hatte, daß der Pächter uns keinen Widerstand mehr leisten könnte, forderte ich ihm sein Geld; der Pächter führte uns in ein Nebenzimmer, wo wir in einem Schrank zehen bis zwölf Gulden fanden. Mit dieser Summe nicht zufrieden, haben wir dem Pächter gedroht, und ihm auch gesagt, daß wir zu gut unterrichtet seien, daß er mehr Geld haben müsse. Christian Rheinhard band dem Pächter die Hände. Als dieser durch die umständliche Erzählung sahe, daß wir zu gut wusten, wie viel Geld er haben konnte, indem wir ihm dasjenige was wir von Jakob Müller erfahren hatten wiederholten; nemlich daß er zu Lettweiler Geld bezogen habe; – daß er Ochsen verkauft habe; daß er ebenfalls Rübsaamen verkauft habe etc. – erklärte er, daß er uns alles was er habe geben wolle. Rheinhard band ihn alsobald los und er führte uns auf seinen Speicher, wo er aus einem Fruchthaufen zwölf Louisd’or in Gold, und ohngefehr hundert Gulden in Silber herauszog. Als wir wieder herunter gegangen waren, drangen wir darauf uns noch mehr Geld zu geben. Es ist möglich, daß Christian Rheinhard mit den anderen ihn nochmals gebunden haben, ich erinnere mich aber dessen nicht mehr; der Pächter beharrte darauf keines mehr zu haben, und versprach uns in einer kurzen Zeitfrist zu bezahlen was er zusammen bringen könne. Wir waren dann endlich mit diesem Versprechen zufrieden, und nach einigen Unterredungen sezte ich die Summe auf dreihundert Gulden fest. Der Pächter unterzeichnete seinen Namen auf ein Papier, welches demjenigen, welcher auf diese Summe Anspruch machen würde, zur Rechtfertigung dienen sollte.

Nachdem dieses vorbei war, haben sich meine Cameraden noch etlicher Effekten bemächtigt, von welchen ich mich dennoch nur noch einer silberner Uhr, einer Jagdtasche und eines paar Stiefels, welches Christian Rheinhard weggenommen hatte, erinnere. Johann Adam Steiniger, hat noch etliche Hemdter und Fleisch genommen. Sieben oder acht Täge hernach überschikte ich des Heinrich Zürchers Zettel durch Leonhard Körper um das Geld zu holen, welcher mir auch, wie ich in meinen vorherigen Verhören schon gesagt habe, zehen Louisd'or zurük brachte.

237) Auf welche Art habt ihr die Bekanntschaft des Leonhard Becker gemacht, und in welchen Verhältnissen waret ihr mit ihm?

Antw. Ich habe ihn verflossenes Jahr auf der Ibener Kirchweihe für das erstemal gesehen und ich sprach alsdann sehr wenig mit ihm. Ich habe ihn für das zweitemal acht Tage nachher auf der Kirchweihe zu Fürfeld in dem Haus, wo Gustav Becker wirthschaftete, gesehen; es waren noch der Förster Schröder von Altenbamberg und mehrere andere Bürger da. Wir haben miteinander gegessen und getrunken; ich hatte Furcht vor den Gendarmen, aber Leonhard Becker sprach mir wieder Muth ein, indem er sagte: er wolle sich Wache stellen, und wirklich als ich einmal aus dem Haus gieng, sah ich ihn an der Thür stehen, übrigens hat er keinen Antheil an meinen Verbrechen genommen, und ich habe ihn nur diese zweimal gesehen.

238) Hat euch Leonhard Becker nicht eingeladen auf die Fürfelder Kirchweihe zu kommen?

Antw. Ich erinnere mich dessen nicht.

239) Ist der Wächter von Fürfeld nicht auch Wacht für euch gestanden, als ihr auf der Kirchweihe dieses Dorfes waret?

Antw. Ja, er wußte so gut als alle Einwohner von Fürfeld, daß ich Schinderhannes war. Ich weiß nicht, wer ihn Wacht gestellt hatte; den folgenden Tag ist er mit mir nach Iben gegangen, wo ich ihm ein Halstuch für seine Mühe gab; mit Ausnahme dieser Thatsache habe ich keinen Verkehr mit ihm gehabt.

240) Bei welcher Gelegenheit habt ihr die Bekanntschaft des Gustav Becker gemacht?

Antw. Peter Hassinger sagte mir einmal auf dem Ibener Schloß, daß Gustav Becker Lust hätte meine Bekanntschaft zu machen und daß er um seine Neugierde zu begnügen, willig etliche Flaschen Wein bezahlen wollte; ich gieng mit einem meiner Kameraden und wann ich mich nicht irre, mit Georg Schulz dahin. Ich habe ihn seitdem in seinem Haus, und auf den Kirchweihen von Iben, Fürfeld und Bellheim wieder gesehen. Ich habe ihm die Zeche nicht bezahlt und als ich ihm sagte, selbige nicht zahlen zu können, so antwortete er: es eile ja nicht, und ich sollte ihm einmal schön Tuch für einen Mantel bringen; aber bis jetzt hat er noch nichts bekommen. Ich habe ihm auch einmal einen Säbel geschikt, um selbigen zu schleifen, indem ich ihm sagte, Holz im Wald hauen zu wollen. Als ich das erstemal bei ihm war, sagte er mir, daß ein Jud von Münsterappel ihn in einem Handelsgeschäfte betrogen habe und daß wir diesen Juden zu seiner Rache befehlen sollten, welches wir aber dennoch nicht thaten, indem Gustav Becker jedermann schon gesagt hatte, daß er um diesen Juden zu bestehlen, mit dem Schinderhannes gesprochen habe; dies machte uns fürchten, daß der Jude schon Maaßregeln genommen haben.

Nachdem besagtem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen, und auf deutsch ausgelegt worden war, sagte er, daß solches treulich niedergeschrieben ist, Wahrheit enthalte und hat mit uns obenbenanntem Richter und dem Commis-Greffier unterschrieben. Zu Mainz den Tag, Monat und Jahr, wie oben, des Abends um acht Uhr und drei Viertel.

Unterschrieben: Wernher, Johannes Bückler und Brellinger mit Handzügen.

 
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