Das Verhör
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Posted 8-9-2003
Fortsezzung, Mainz den ein und zwanzigsten Thermidor, zehnten Jahrs, um halb sechs Uhr des Abends.
225) Ihr habt mir schon eure Mitschuldigen an dem Diebstahl zu Laufersweiler erklärt; sagt mir gegenwärtig, ob ihr diesen Plan für euch selbst entworfen habt, oder ob euch Jemand anders zu diesem Diebstahl angereizt hat?
Der Diebstahl zu Laufersweiler: Schinderhannes schmiedet Pläne ...
Antw. Als ich mit meinen Kameraden in dem Wald zwischen Kempfeld und Wildenburg ankam, wußten wir noch nicht, wohin wir unsere Geschäften richten sollten. Ich schikte also den Müller Gerhard von Weyden nach Kempfeld zu einem gewissen Johann Georg Scherer, und ließ ihn bitten, mir eine Bouteille Brandwein in den besagten Wald zu bringen. Gerhard kam wirklich mit einer Bouteille und Scherer folgte einige Stunde nachher; ich fragte ihn, ob er nicht einen Juden kenne, den wir bestehlen könnten; er nannte uns den von Laufersweiler, bei dem wir viel Geld finden würden. Dies Gespräch hatte in Gegenwart all meiner Kameraden, die dem Diebstahl von Laufersweiler beiwohnten, stattt; ich weiß indeß nicht, ob sie es gehört haben, weil Scherer mit mir auf die Seite gieng; allein ich sagte es ihnen, nachdem uns Scherer verlassen hatte. Scherer war noch von seinem Bruder Philipp und seinem Schwager Kind begleitet; ich habe aber Ursach zu glauben, daß er ihnen den Inhalt des Gesprächs, welches er mit mir hatte, nicht erzählt hat. Ich kannte diesen Scherer seit langer Zeit, ich habe ihm mit Jakob Fink einige Pferde verkauft, ich weis aber nicht, ob er mich ehedem kannte, ich habe seine nähere Bekanntschaft und er die Meinige, vor drei Jahren auf dem Markt zu Kempfeld gemacht. Ich habe ihn seitdem noch zwei oder dreimal in dem Hause der Brüder Fuchs, Wirth zu besagtem Kempfeld wieder gesehen, wo ich, wie in allen Orten bekannt war.
226) Habt ihr nicht vor anderthalb Jahr ohngefähr mit Karl Benzel in der Winterhauch, dem Herz Gottschlick von Nohbollenbach eine silberne Uhr geraubt?
Antw. Ja, ich habe sie meinem Vater gegeben, habe ihm jedoch nicht gesagt, wo ich sie bekommen habe, es kann sogar seyn, daß ich ihm gesagt, ich hätte sie gekauft. Ich muß indeß überhaupt bemerken, daß mein Vater gar keinen Antheil an meinen Verbrechen genommen hat, daß er mich sogar ermahnt hat, davon abzustehen und daß diese Uhr das einzige ist, was er von mir bekommen hat.
227) Habt ihr niemals gegen den Juden von Hottenbach Drohungen ausgestossen, und hat nicht euer Vater einen gewissen Isaac Wolf zu euch in den Wald von Wildenburg geführt?
Antw. Ich begegnete eines Tags meinem Vater, der seinen Akker zakkerte, bei dieser Gelegenheit sagte er mir, daß ihn ein Jude von Hottenbach keine Ruhe ließe und wolle zu mir geführt werden, um mit mir zu sprechen. Ich sagte meinem Vater, er möchte ihn zu mir führen. Er that es auf der Stelle und kam mit dem Juden an; dieser bat mich, ihn und die Juden von Hottenbach frei gehen zu lassen. Ich antwortete ihm, daß ich ihnen noch nichts gethan habe; indeß fuhr der Jude fort, sich zu empfehlen und endigte damit, daß er mir zwei große Thaler gab. Ich habe Gründe zu glauben, daß mein Vater selbst die Ursache nicht wußte, warum mich der Jude sprechen wollte.
228) Ihr habt in eurer Antwort auf die hundert fünf und sechzigste Frage gesagt, daß ihr den Christoph Kaspar von Lippshausen nicht kennet: Wer ist der Mann, durch welchen ihr Nachts vier Pferde in dem Wald dem sogenannten Strut bei Lippshausen, weiden ließet?
Antw. Es war der Sohn von einem Namens Johann Christoph dem sogenannten alten Hann-Christophel, dessen Frau eine Schwester des Seiberts Mutter ist: Ich hatte diese Pferde zu Herrstein mit Philipp Mosenbach gestohlen, und Mosenbach hat selbige verkauft.
Nemlich: Zween dem Müller Stein bei Benzenroth; das Dritte dem alten Schultheiß von Lippshausen, und das Vierte dem Schwager des besagten Schultheißen. Dieser leztere wohnt zu ... [nicht leserlich].
229) Habt ihr nicht auch einmal Schweine zu Wahlbach gestohlen?
Antw. Ja, Jakob Fink und ich, wir haben allda höchstens acht oder neun Schweine gestohlen. Paul Gilgert von Lautert hat zwei davon gekauft; die übrigen wurden in dem Haus des alten Schultheißen und des alten Hann-Christophel von Lippshausen gegessen.
230) Die Pursche welche ihr in euren Verhören unter dem Namen die Ungers-Buben bezeichnet habt, heissen sie nicht Johann und Henrich Schneider?
Antw. Ich weiß daß einer davon Johann heißt; ich kenne auch einen Krug-Rickes von Seibersbach; der erste hat mit mir Schweine zu Altensimmern gestohlen und der andere mit Fink einen Diebstahl zu Wiesweiler begangen.
231) Kennet ihr nicht auch die Namens Peter und Valentin Weimar, Peter Wasem, Oswald Greber und die Gebrüder Gutmann von Seibersbach?
Antw. Ich weiß von meinen Kameraden, daß eine Bande von sieben oder acht zu Seibersbach ist, die das nemliche Handwerk treiben, welches ich getrieben habe. Ich weiß, daß die Söhne, des Valentin Weimar von der Zahl sind; Es ist noch ein anderer dabei der sich Johann nennt und unter den französischen Jägern gedient hat. Ich habe aber nichts mit ihnen gemacht, und ich kenne die anderen weder von Namen noch von Person.
232) Habt ihr Bekanntschaften in Ober-Wesel?
Antw. Ich kenne niemand allda, als einen Namens Lehr, welcher von Jakob Fink und mir auf dem Zweybornerhof zween Pferde gekauft hat, welche wir zu Kirchenbollenbach gestohlen hatten. Fink schikte ihm jemand, um ihn zu sich zu rufen: Er kaufte die Pfede des Nachts in einem Wald, und daher schließe ich, daß er wußte, daß die Pferde gestohlen waren. Dieses hat sich vor vier Jahren zugetragen.
233) Kennet ihr die Namens Rheinhard Zimmermann Schulmeister, Wilhelm Sondersheimer Pfeiffenhändler, Peter Reibold Wirth, Konrad Schaaf und sein Schwiegersohn Rausch Scheerenschleifer, alle von Dahlberg?
Antw. Nein.
234) Gebt uns die Leibesbeschreibung von dem Namens Schnuckel, der den Diebstahl zu Würges begangen hat?
Antw. Es ist ein Mann von mittlerer Größe, vollleibig, eine Schmarre in dem Gesicht habend, ein braun ovales Gesicht, gewöhnliche Nase, braune runde Haare, röthlichten Bart, das Deutsche mit einem Ton sprechend der nicht der gewöhnliche der Juden ist, und er giebt sich sogar für einen Christen aus. Er ist ohngefähr dreisig Jahre alt.
Nachdem besagtem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf Deutsch ausgelegt worden war, erklärte derselbe, daß solches treulich niedergeschrieben ist, Wahrheit enthält, und hat mit uns obengenanntem Richter und Commis-Greffier unterschrieben zu Mainz den Tag, Monat und Jahr, wie oben, des Abends um acht Uhr.
Unterschrieben: Wernher, Johannes Bückler und Brellinger mit Handzügen.
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