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Teil 35
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt. (215-222)

Posted 4-9-2003

 
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215) Ihr habt auf die zwei und zwanzigste Frage gesagt, daß die zwei Söhne des Juden Raphael zu Niedersaulheim auf dem rechten Rheinufer viele Diebstähle begangen hätten; welches sind dann die Diebstähle, die sie begangen haben sollen?

Antw. Ich weiß von einem gewissen Maus von Semm, daß die den Pfarrer von Neunkirchen bestohlen haben, und da zu selbiger Zeit auf dem rechten Rheinufer in der Gegend von Umbstatt mehrere Diebstähle geschahen, so habe ich Ursache zu glauben, daß sie die Urheber davon waren, um so mehr als keiner von meinen Kameraden sie begieng.

216) Ihr habt auf die sechs und zwanzigste Frage gesagt, daß ein alter Jude von Alten-Bamberg euch angelegen habe, ihm Silbergeschirr zu verkaufen; könnt ihr einige Proben von euerer Angabe aufstellen?

Antw. Ich habe diesen Juden oft, sowohl auf dem Bangarterhof, als in dem Wald gesehen. Bei diesem Zusammentreffen und in Beiseyn meiner Kameraden Peter Dalheimer, Christian Rheinhard, Johann Leydecker und Georg Michel, verlangte er von mir, ihm Silbergeschirr zu verkaufen; ich habe ihm aber niemals etwas verkauft, ausgenommen eine Uhr, wovon ich schon in meinem Verhör gesprochen habe?

217) Kannte er euch schon, als er die Uhr von euch kaufte?

Antw. Ja, er sah mich zuvor schon auf den Drei-Weyhern, auf dem Bangarterhof und zu Hallgarten.

218) Kennt ihr den Johann Knipel von Braunshausen?

Antw. Nein.

219) Kennt ihr dann den Abraham Knapp von Herschweiler?

Antw. Nein.

220) Besteht ihr darauf zu sagen, daß der Müller Becker auf der Falkensteinermühl, auf dem rechten Rheinufer, gar keinen Antheil an euerm Verbrechen genommen habe und daß es sogar möglich seie, er habe euch nicht gekannt, als ihr auf seiner Mühle waret?

Antw. Ich kam einigemal dahin mit Peter Henrichs-Hann-Adam und Christoph Blum; wir sagten, wir seien Wildpretschüzzen, meine Kameraden nannten mich nur mit meinem Vornamen Hannes; ich weis also nicht, ob er wußte, daß ich Schinderhannes sei.

221) Ihr habt in euern vorhergehenden Verhören schon gestanden, mit welchen Mitschuldigen ihr den Diebstahl von Waldgrehweiler begangen habt; sagt mir nun, wie ihr sie versammelt habt, und auf welche Art ihr den Diebstahl vollbracht habt?

Der Diebstahl beim Bürger Bernhard von Waldgrehweiler

Antw. Als Jakob Müller von Lettweiler mir sowohl, als dem Christian Rheinhard und Johann Leydecker den Vorschlag that, den Bürger Bernhard von Waldgrehweiler zu bestehlen, schikte ich einen gewissen Krämer Antons Joseph von Feil mit einem Brief an Peter Hassinger von Iben, um ihn einzuladen, zu mir nach Lettweiler zu kommen. Hassinger ließ mir sagen, er könne nicht kommen. Ich schikte aufs neue Philipp Weber von Lettweiler, mit dem mündlichen Auftrag, den Peter Hassinger mitzubringen und ließ diesem bekannt machen, ich habe seiner zu einem Diebstahl den ich begehen wollte, nöthig. Er kam wirklich mit gedachtem Weber, der schon wußte, daß ich den Bürger Bernhard bestehlen wollte. Hassinger weigerte sich mitzugehen, ich bat ihn daher, mir einen gewissen Weisheimer von Diefenthal und Lahr von Steinbockenheim zu schikken. Er kam bald hernach mit besagtem Weisheimer, einem andern Einwohner von Diefenthal, Franz Mundo von Aspisheim, und einem Müller von Hochstätten wieder zurück. Ich schikte auch den Bruder von Weber, Namens Peter, nach Trombach, um den Korbmacher Johann Adam und Krämer Antons Joseph von Feil, zu rufen, welche ebenfalls kamen.

Also versammelt, giengen wir nach Waldgrehweiler; Philipp Weber diente uns als Bote, sein Bruder Peter, obschon von unserem Vorhaben unterrichtet, blieb zu Lettweiler. Wir waren alle mit Schießgewehr versehen, ausgenommen Philipp Weber und der sogenannte Hannes von Diefenthal, von denen ich es nicht mit Gewißheit sagen kann. Peter Weber hatte sie zum Theil zu Lettweiler gelehnt, ohne daß ich sagen könnte, von wem.

Die Hausthüre ward mit einem Stamm eines Baumes eingestossen, den wir ausser dem Ort absägten. Wir bekamen nur fünfzehn Gulden, denn die Einwohner läuteten Sturm und es geschahen mehrere Flintenschüsse, ohne daß ich weiß von wem. Ich gieng hierauf mit Leydecker, Johann Adam von Trombach und Krämer Antons Joseph, die mit mir in das Haus gegangen waren, wieder heraus. Der Diebstahl geschah ohne Gewaltthätigkeit gegen Jemand, ausgenommen einer Ohrfeig, welche Leydecker dem Bürger Bernhard gab.

222) Ihr habt gesagt, daß ihr den Befehl gegeben, euch den Weisheimer von Diefenthal zu schikken; es folgt daraus, daß ihr schon zuvor mit ihm in Verbindung gestanden seid; sagt mir die anderen Vergehen, an welchen er Theil nahm?

Antw. Zur Zeit als ich noch mit Jakob Fink war, logirte ich oft bei besagtem Weisheimer; er wußte, daß wir Räuber seien, ich kannte ihn daraus als einen Mann auf den man sich vertrauen könne, aber er hatte keinen Diebstahl mit mir begangen. Peter Hassinger kannte ihn vielleicht besser, und es wird auf seinen Vorschlag gewesen seyn, daß ich ihm sagte, mir ihn zu schikken. Ich habe übrigens Ursache zu glauben, daß Franz Mundo mit diesen Leuten von Diefenthal in engerer Verbindung stehen muß.

Nachdem man dem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt hatte, erklärte er, daß solches Wahrheit enthalte und hat mit uns obgenannten Richter und Commis-Greffier unterzeichnet. Mainz den Tag, Monat und Jahr wie oben, um drei Viertel auf neun Uhr des Abends.

Unterschrieben: Johannes Bückler, Wernher und Brellinger.

 
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