Das Verhör
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Posted 3-9-2003
Fortsezzung, Mainz den sechszehnten Thermidor zehnten Jahrs.
209) Ihr habt in euerer Antwort auf die neunte Frage gesagt, Johannes Leyrich habe, nach dem Diebstahl von Laufersweiler, euch Speisen in die Bergwerke von Lemberg, wohin ihr euch versteckt hattet und eure Waaren auf das andere Rheinufer gebracht. Ihr habt diese Antwort berichtigt, und gesagt: daß es nicht nach dem Diebstahl zu Laufersweiler, sondern nach dem zu Merxheim begangenen, gewesen sei. Diese Berichtigung, ist sie blos auf die Verbringung der Waaren einzuschränken, oder versteht sie sich auch von den Lebensmitteln, die er euch an den Ort gebracht hat, wo ihr verborgen waret?
Antw. Nicht allein nach dem Diebstahl von Merxheim, sondern auch nach jenem von Laufersweiler brachte uns Leyrich Lebensmittel in die Bergwerke von Lemberg, wo wir verborgen waren, aber blos nach dem Diebstahl von Merxheim brachte er die Päcke auf das andere Rheinufer.
210) Ihr habt in euerer Antwort auf die zwölfte Frage gesagt, ihr hättet den Juden bestohlen, weil der dem Müllerhannes und Petronellemichel noch Geld für gestohlene Waaren schuldig gewesen, die diese leztere an ihn verkauft hätten. Ihr habt auch ausgesagt, daß euch der Jude mehrmals eingeladen habe, ihm gestohlene Waaren zu verkaufen; könnt ihr einige Proben über diese Sagen aufstellen?
Diebstahl in Merxheim - die Vorgeschichte
Antw. Ich habe das erste von Müllerhannes selbsten, der mir es sagte und ich weiß daß er ihm Waaren die zu Süßbach gestohlen worden, in dem Hause eines Einwohners von Hundsbach, des sogenannten Pickers, der ein Bruder des Beständers vom Welcherterhof ist, verkauft hat. Was das zweite betrift, so war ich mehrmalen in seinem Haus; ich erinnere mich nicht mehr, welche meiner Kameraden mich dahin begleitet haben, glaube aber, daß Christian Rheinhard einmal mit mir in seinem Hause war; daß in Gegenwart meiner Kameraden und ohne daß sonst jemand zugegen gewesen, er mich eingeladen hat, ihm Waaren zu bringen. Allein nebst den Ursachen, die ich in meiner Antwort auf die zwölfte Frage angezeigt, hatte ich noch andere Beweggründe, diesen Diebstahl zu begehen, es sind folgende: Ein gewisser Borbe's Friz, Musikant in Merxheim wohnhaft, kannte mich von der Zeit, als ich noch zu Bärenbach war; ich habe ihn seitdem auf dem Markt zu Bell gesehen: Kurze Zeit vorher hatte ich mit Jakob Fink von Weiler zu Schmitthachenbach zwei Pferde gestohlen, die wir dem Müller von Karbach bei St. Goar verkauften; Borbe fragte mich ob ich nicht wüßte wo diese Pferde wären? Ich versprach ihm, mich darüber zu erkundigen. Bald darauf erfuhr ich, daß gedachter Müller von Karbach diese Pferde an einen Einwohner von Nastätten verkauft habe. Ich benachrichtigte Borbe davon und den Bauern, dem wir sie gestohlen hatten, in dem Hause des besagten Borbe. Eines Tages sagte er mir, daß der alte Rentmeister, der in einem, zu dem Schloß von Merxheim gehörigen Haus wohne, Lust habe, mich zu sehen, und ich möchte in der Eigenschaft als Weinhändler zu ihm gehen, damit die Familie des gedachten Rentmeister gar keinen Argwohn haben könne. Ich gieng wirklich dahin. Der Rentmeister gab mir wohl zu trinken und hezte mich auf, den Juden zu Merxheim, der die Bauern so plage, einmal zu bestehlen. Dies Trink-Gelag, dem auch besagter Borbe beiwohnte, dauerte bis Mitternacht. Ich war so berauscht, daß ich nicht mehr stehen konnte. Ein Wiedertäufer, der dazu gekommen und selbst eine Bouteille Brandwein gebracht hatte, gab mir ein Pferd, sein Knecht und Borbe nahmen auch Pferde und begleiteten mich bis nach Eckweiler. Dies trug sich zu, einige Monate vor dem Diebstahl zu Merxheim; die Nacht vor dem Diebstahl befand ich mich mit meinen Kameraden auf der Mühle zwischen Merxheim und Kirschroth. Ich schikte Jemand in das Ort, um Borbe zu rufen. Bei seiner Ankunft sagte ich ihm, daß wir diese Nacht den Juden von Merxheim bestehlen würden und daß er zu dem alten Rentmeister gehen, ihn davon benachrichtigen und bitten solle, uns Wein zu schicken. Er brachte uns wirklich einige Bouteillen und begleitete uns mit einem Mühlknecht bis in das Ort. Sie baten uns auch, einige Stükke Tuch, auf einem Plaz, den sie uns hinter einem Zaun zwischen Merxheim und Mettersheim bezeichneten, hinzulegen, das wir nach dem Diebstahl auch thaten; ich weiß aber nicht ob sie es bekommen haben.
Der Jude von Merxheim wird bestohlen.
In dem Ort begegneten wir der Nachtwache, die aus sechs Mann bestand. Sie fragte uns wer wir seyen, und wohin wir gehen wollten. Ich antworte ihr frei, daß wir den Juden bestehlen giengen, worauf sie uns ohne die mindeste Hinderniß gehen ließ. Als wir an des Juden Haus ankamen, klopften wir an der Thür; da aber Niemand aufmachen wollte, brachen wir Laden und Fenster auf und ich stieg durch dasselbe mit Peter Henrichs-Hann-Adam hinein. Christian Rheinhard und Johann Martin Rinckert blieben als Wache vor dem Haus. Der Diebstahl geschah ohne Gewaltthätigkeit an einer Person und ich sah Niemand im Haus als des Juden Frau, ein Mädchen und ein kleines Kind. Wir haben darin vierzehn oder fünfzehn Louisd'or an Geld, vier Becher und zwei silberne Schnallen und verschiedene Waaren gestohlen. Die Becher und ein Paar silberne Schnallen fielen in der Theilung Rinckert und Rheinhard zu; ich hatte das andere Paar, welches ich zu Aschaffenburg verkaufte. Mit den Waaren trieben wir Handel auf dem rechten Rheinufer.
211) Wußte der Müller von Karbach, dem ihr die zwei Pferde verkauft habt, daß sie gestohlen waren?
Antw. Fink kannte ihn; er ließ ihn in das Haus eines gewissen Johann Christoph zu Lippshausen kommen, da verkauften wir ihm die Pferde; er wußte, daß sie gestohlen waren.
212) War der Müller von der Mühle zwischen Merxheim und Kirschroth zugegen, als ihr mit Borbe von dem Diebstahl gesprochen habt, den ihr zu Merxheim begehen wolltet?
Antw. Ja, wir waren in seiner Stube, er war gegenwärtig, und es war dies das erste und einzigemal, daß ich auf dieser Mühle war, auch hatte der Müller sonst niemals eine Gemeinschaft mit uns.
213) Wer ist derjenige, den ihr, um den besagten Borbe zu euch auf die Mühle zu rufen, geschikt habt?
Antw. Es ist der Müller oder sein Knecht; er wußte aber nicht, aus welcher Ursach wir ihn rufen ließen.
214) Wer ist der Mühlknecht, der euch mit gesagtem Borbe bis nach Merxheim begleitete?
Antw. Ich kenne ihn nicht; er kam mit Borbe von Merxheim.
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