Das Verhör
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Posted 1-9-2003
Fortsezzung, Mainz den 11ten Thermidor zehnten Jahrs.
196) Kennt ihr die Gebrüder Fuchs von Kempfeld?
Antw. Ja, einer heißt Heinrich und der andere Karl; sie haben ein Wirthshaus. Ich war etlichemal in ihrem Hause um zu essen und zu trinken. Sie kannten mich auch seit meiner Kindheit, haben aber an keinem meiner Verbrechen Antheil genommen. Es ist schon zwei Jahre, daß ich nicht mehr in ihrem Hause war. Das leztemal als ich in ihrem Hause war, tauschte ich von dem Förster Hahn zu Wildenburg eine Flinte gegen eine Uhr ein, welchem ich noch drei große Thaler herausgab. Ich hatte diese Uhr von Karl Benzel gekauft, und die Flinte ist durch die Meissenheimer Gendarmerie in dem Hause des Johannes Leidecker zu Lauschid, wo ich selbige eines Tages ließ, weggenommen worden. Ich bemerke, daß dieser Tausch sich nicht in dem Hause selbst der Gebrüder Fuchs, sondern in dem Wald zum Tannengarten genannt, wo ich mich mit Georg Pik und Dalheimer befand, und in welchen besagter Förster und die Gebrüder Fuchs uns Lebensmittel brachte, sich zugetragen hat.
197) Kennt ihr Johannes Klar, Gerber zu Oberstein?
Antw. Ich kenne einen Namens Klar von Oberstein, der zur Zeit als die Preussen Magazine in Oberstein hatten, Wagenmeister beim Fuhrwesen war. Ich arbeitete damals in diesen Magazinen als Taglöhner und Johann Klar machte den Aufseher. Es fehlt viel dazu, daß er in Verbindniß mit mir seyn soll, indem er eher derjenige ist, der sich viele Mühe gab um mich anhalten zu machen.
198) Habt ihr nicht dem Georg Friedrich Schulz in dem Hause des Beckerhannes zu Habitsheim vorgeworfen, daß besagter Schulz einem gewissen Hannsjakob von Münster zwei Pferde gestohlen habe?
Antw. Das Haus des besagten Hannsjakob diente mir zum Zufluchtsort, ich war oft drei, vier Tage nacheinander da und in dem Hause seines Schwagers Witzel. Ich brachte vergangenen Winter fünf oder sechs Wochen dort zu. Während ich auf dem linken Rheinufer abwesend war, wurden besagtem Hannsjakob zwei Pferde gestohlen; ich wurde dieses so wie vieler andern Diebstähle, die ich nicht begangen hatte, beschuldigt, wodurch ich mich mit besagtem Hansjakob entzweite. Ich vermuthete gleich, daß Georg Friedrich Schulz den Diebstahl begangen habe und daß er also davon wissen müsse. Ich gieng daher mit meinen Kameraden Christian Rheinhard, Johann Martin Rinkert, Johann Leidecker und Krugjoseph nach Habitsheim. Wir ließen Georg Friedrich Schulz in des Bäckerhannes Haus kommen; wir warfen ihm diesen Diebstahl vor, er läugnete ihn begangen zu haben, erklärte uns aber, daß Johann Henrich (Georg) von Semm wisse, wem diese Pferde verkauft worden; wir begaben uns also mit gesagtem Schulz nach Semm, wo ich erfuhr, daß ein sogenannter Schebhalsiger Hannes (der sich auch Johann Hammer nannte, und unter welchem Namen ich ihn zu Semm gesehen habe, seitdem zu Lindenfels verhaftet wurde, von da wieder entwischte, und sich gegenwärtig in der Grafschaft Solms aufhalten muß) die Pferde gestohlen habe, und daß besagter Johann Henrich von Semm mit einigen Bauern von Habitsheim sie in dem Odenwald, in einem Ort, dessen Namen ich vergessen habe, verkauft hätten. Ich gab Hannsjakob von Münster von diesen Auskünften Nachricht, der sich seitdem mit den Käufern abgefunden.
199) Wißt ihr nicht, daß Georg Friedrich Schulz verflossenen Winter zu Langenbrombach, im Amt Breiberg, einen Kohlenbrenner verwundet hat und wer war dieser Kohlenbrenner?
Antw. Ja, ich weiß es; dieser Kohlenbrenner war Peter Petry, Schwarzpeter genannt, der eben wegen diesem Streit arretirt bald aber wieder losgelassen wurde.
200) Bei dem Diebstahl zu Staudernheim und während ihr in dem Hause waret, habt ihr nicht einen Schuß gehört?
Antw. Ich gieng mit Adam Lahr und Krugjoseph in das Haus. In einer Stube im untern Stok fanden wir zwei Mann im Bett liegen. Ich forderte sie auf, mir ihr Geld zu geben, auf ihr Angeben, daß sie keines hätten, öfnete ich einen kleinen Schrank, woraus ich eine silberne Uhr nahm, worauf ich aus dieser Stube heraus und allein in eine andere gieng, wo Weiber waren; während ich hier war, hörte ich auf der Gaß einige Schüsse, das mich bewog, das Haus zu verlassen. Im herausgehen sah ich Georg Friedrich Schulz schießen. Ich ließ in der ersten Stube worin ich war, eine Pistole, welche Georg Friedrich Schulz von dem Müller Rupp von Iben gelehnt hatte, und ich habe Ursach zu glauben, daß dieser Müller den Gebrauch wußte, den Schulz davon machen wollte. Nachdem wir das Ort verlassen hatten, hörte ich noch einige Schüsse darin, allein es folgte uns niemand.
201) Ihr habt schon gesagt, daß Jakob Müller von Lettweiler euch zu mehreren Diebstählen den Plan gemacht habe, sagt mir nun, auf welche Art habt ihr seine Bekanntschaft gemacht, und in welcher Verbindung waret ihr mit ihm?
Antw. Es sind vier oder fünf Jahre, daß ich mit Jakob Fink von Weiler zu Hunchert bei Boppart eine Heerde von zwanzig bis dreisig Stük Schweine gestohlen hatte, wir führten sie nach Lettweiler. Fink, der ehedem mit Müllerhannes in Verbindung stand, kannte da die drei Brüder Müller und die zwei Weber. Wir verkauften einen Theil unserer Schweine zu Lettweiler, den Rest zu Hallgarten. Bei dieser Gelegenheit machte ich die Bekanntschaft mit Jakob Müller; seitdem sah ich ihn auf einem Markt zu Wallhausen oder Oberstreit. Vorigen Winter war ich zwei oder dreimal in seinem Hause zu Lettweiler; bei einem dieser Besuche fragte Johann Leidecker bei ersagtem Müller nach den reichsten Einwohnern der Gegend, von denen man Geld erpressen könnte. Jakob Müller nannte uns mehrere, unter andern den Bürger Schweizer von Rehborn, sagte dabei, daß dieser immer ein Duzend Louisd'ors bereit habe, wenn wir zu ihm kämen sie zu nehmen, und wir könnten gewiß seyn, daß er uns auf unser erstes Begehren eine ansehnliche Summe geben würde. - Wir folgten seinem Rath, und Bürger Schweizer gab uns wirklich ohne die mindeste Beschwerniß zwölf Louisd'ors; denn nachdem wir an sein Fenster geklopft, und wir ihm gesagt hatten, wer wir seien, und weswegen wir zu ihm kämen, versprach er sogleich, uns Geld auf die Brükke zu Rehborn zu bringen, welches er auch that. Zur nämlichen Zeit - ich weis nicht war es vor- oder nachher, sagte der nämliche Jakob Müller mir sowohl, als dem Christian Rheinhard und Johann Leidecker, daß der Hofmann zu Neudorf viel Geld habe - er habe Frucht und Rübsamen an einen Müller von Odernheim, und Brandwein an einen Spezereikrämer von Lautereken verkauft, auch habe er ein paar Ochsen verkauft, und daß er in einigen Tagen von einem Einwohner von Lettweiler Geld empfangen müsse; er munterte uns auf, diesen Diebstahl zu begehen - wir waren schon dazu entschlossen, allein er brachte uns aus dem Grund wieder davon ab, weil derselbe noch kein Geld von seinen Schuldnern zu Lettweiler empfangen habe; er schlug uns statt dieses Hofmanns von Neudorf den Bürger Valentin Bernhard von Waldgrehweiler vor; da habe er einmal viel Geld gesehen, er wohne am Ende des Orts - habe viele Feinde in der Gemeinde, daß dieser Diebstahl mit viel Leichtigkeit könnte begangen werden, und daß wir blos gegen den Knecht des besagten Bernhard auf der Hut sein müßten, der ein Mensch von ungewöhnlicher Stärke sei. Auf die Aussagen versuchten wir den Diebstahl; allein er mißlang uns, wie sie wissen. Ein oder zwei Tage vor dem Diebstahl von Waldgrehweiler hatte uns der nämliche Jakob Müller gesagt, daß der Hofmann von Neudorf sein Geld von jenem Einwohner von Lettweiler seinem Schuldner empfangen habe - er erzählte uns sogar einige Umstände von der Zahlung, die in Gold geschehen sei, das in Silber ausgewechselt worden. In der Rükkehr von Waldgrehweiler war ich mit Christian Rheinhard und Johann Leideker in das Haus des Jakob Müller gegangen, der eben abwesend war. Wir entschlossen uns also auf den Neudorfer Hof zu gehen, um den Hofmann zu bestehlen, welches wir auch thaten.
Nachdem man dem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt hatte, erklärte er, daß solches getreu niedergeschrieben Wahrheit enthalte und hat mit uns oben benannten Richter und Kommis-Greffier unterschrieben.
Mainz den Tag Monat und Jahr wie oben, um halb neun Uhr des Abends.
Unterschrieben Johannes Bückler, Werner und Brellinger, mit Handzügen.
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