Das Verhör
Diese Seite sieht in einem modernen Browser besser aus, aber der Inhalt kann auch mit älteren Browsern oder Geräten betrachtet werden.Ich empfehle Ihnen auf einen neuen Browser umzusteigen.
Posted 16-1-2003
29) War Müllerhannes nicht mit euch auf dem lezten Kirchweihfest zu Iben?
Antw. Ja, er war mit mir, er stand damals Wache, und ich brachte ihm einen Schoppen Wein in den Garten des Beständers. Georg Friederich Schulz war auch da. Ich und gedachter Müllerhannes wir begaben uns in den Wald bei Iben. Schulz blieb auf dem Hof.
30) Kennt ihr die Namens Leonard Beker, Gustav Beker und Nikolaus Arnold von Fürfeld?
Antw. Ja, ich kenne sie; ich habe einigemal mit ihnen gegessen und getrunken, sie haben aber keine andere Verbindung mit mir.
31) Kennt ihr den Karl Stieh von Feil?
Antw. Ja, ich kenne ihn, ich war einigemal in seines Vaters Haus bei ihm und war mit ihm auf der Jagd; allein er hat an gar keinem Vergehen Antheil genommen.
32) Habt ihr nicht auch im Monat Floreal neunten Jahrs auf dem Weg zwischen Duchroth und Odernheim einen Juden bestohlen?
Antw. Ja, ich war von Christoph Blum von Lautert und Peter Henrichs Hannadam begleitet.
33) Habt ihr nicht auch vor zwei Jahren, bei Niederhausen mehrere Juden beraubt?
Antw. Ja, ich war begleitet von Peter Dalheimer von Sohnschied, und von Georg Pik von Mittelbollenbach. Ersterer wurde guillotinirt und lezterer zur Galeere verdammt.
34) Was hattet ihr für Ursachen, den Diebstahl zu Hottenbach zu begehen?
Antw. Die Juden von besagtem Hottenbach gaben mir Geld, damit ich sie frei passiren lasse, sagten mir zugleich, daß ein gewisser Wolf besagten Orts mir auch etwas geben könne. Ich war damals auf der Mühl von Weiden, und ließ besagtem Juden durch andere andeuten, daß er mir Geld, Halstücher und einige Päkgen Tabak zuschicken sollte. Seine Antwort war: wir müßten zu ihm kommen, um sie zu hohlen. Ich schikte hierauf den Jakob Gerhard und den Messerschmitt Stein von Weiden auf Spähe aus und acht Tage darnach beging ich gedachten Diebstahl mit den genannten Gerhard und Stein, so wie mit Johann Laiendeker, einem gewissen Denig, Müller von Hennweiler, der, wo ich nicht irre, mit dem Vornamen Christian heiset, Philipp Arnold von Argenthal bei Simmern, Franz Rieb, Peter Dalheimer von Sohnschied. Stein blieb mit meiner Frau zurük, allein er ging mit uns bis gegen Schmitburg, wo wir die Beute theilten und er seinen Antheil bekam.
35) Habt ihr nicht auch einmal dem Br. Schweizer von Rehborn Geld erpresset?
Antw. Ja, wir bekamen zwölf Louisd'or, ich war damals begleitet von Christian Rheinhard, John genannt und einem gewissen Georg Michel, Kleinhändler und Musikant vom Uiberrhein, der gewöhnlich im Amt Boksberg umher gieng, und izt in Gefangenschaft zu Darmstadt ist, wohin er von Semm bei Bekenbach gebracht wurde, weil er sich in der Gegend erklärt hatte, Gesellschafter von mir zu seyn.
36) Habt ihr nicht auch einen Namens Müller von Rambach Geld erpresset?
Antw. Ja, Johann Leiendeker, der den Mann kannte, machte den Plan dazu und schrieb den Brief, welchen ich selbst gedachtem Müller brachte, der uns vierzehen und eine halbe Louisd'or an den ihm von uns angezeigten Ort brachte. Ich war damals von besagtem Leiendeker und von Johann Martin Rinkert begleitet.
37) Wie viel Geld hat euch Körper vom Beständer des Neudorfer-Hofs gebracht?
Antw. Achtzehen Louisd'or; es waren damals bei mir Christian Rheinhard und Johann Leiendeker, er brachte uns dieses Geld in eine Höhle auf dem Berg neben dem Haus des Peter Haas, und Peter Haas begleitete ihn, als er uns das Geld brachte.
38) Habt ihr noch mehr Nächte in dieser Höhle zugebracht?
Antw. Nein.
Nachdem dem Beklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt worden, erklärte er, daß solches wahrhaft aufgesezt sei, bemerkte blos, daß er sich seiner Antwort auf die dreizehnte Frage gegenwärtigen Verhörs geirrt habe, indem er gesagt, daß Johann Leiendeker vo Lauschied - die zwei an den Hofmann Zürcher auf dem Neudorfer-Hof geschikte Briefe geschrieben habe - daß er selbst den zweiten gedachter Briefe geschrieben habe. Nachdem er also seine Antwort berichtiget hatte, und nachdem sie ihm ebenfalls vorgelesen, und auf deutsche ausgelegt worden - hat er mit uns obgenannten Richter und unterzeichnetem Kommis-Greffier unterschrieben.
Mainz, den Tag, Monat und Jahr wie oben, um halb acht Uhr des Abends.
Unterschrieben: Johannes Bückler, Wernher und Brellinger, Kommis-Greffier, mit Handzügen.
Archiv | Links | Wunschzettel
Digitalkameras aller Hersteller bei Directshopper
Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder.
Ein Anspruch auf Veröffentlichung im Rheinhessenarchiv :: Genealog besteht nicht.
Ich behalte mir die Kürzung von Beiträgen vor.
Copyright 2000-2003 Melanie Langenhan, Königsberger Str. 33, D-55268 Nieder-Olm
webmaid at web.de - Alle Rechte vorbehalten -
Rheinhessen, Genealogie und Geschichte ... Rheinhessenarchiv :: Genealog
i