Das Verhör
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Posted 28-8-2003
177) Wer ist dann der Jude zu Heidelberg, welchem ihr die gestohlnen Sachen verkauft habt?
Antw. Es ist ein Juwelenhändler, welcher sehr viel mit der Niederländer Bande handelt; ich kenne ihn nicht; es ist der Namens Müller, welcher den kostbaren Ring bei einem Juden verpfändet hat.
Übrigens muß ich bemerken, daß ich in meinem letzten Verhör in Betreff des Verkaufs der gestohlenen Sachen geirrt habe. Dieser Jude von Heidelberg hat nichts als den Ring, von welchem ich gesprochen habe, bekommen, und des Gersons Frau zwei andere Ringe von wenig Werth. Was aber die goldenen Ketten und das sieben und ein halb Pfund schwere Silberwerk anbetrift, haben wir solches einem zu Feilsroth wohnenden ehemaligen Goldschmid, Namens Gabel, verkauft. Dieser Verkauf hat sich in dem Wald zwischen Feilsroth und der Rotermühl zugetragen. Ich hatte einen Knaben dieser Mühle nach Feilsroth geschikt, um meinem Vater welcher damals in besagtem Ort wohnte, zu sagen, daß er zu mir in den Wald kommen sollte. Mein Vater kam wirklich dahin, und ich bat ihn mir einen Schuhmacher zu schikken, welcher mir ein paar Stiefel machen könne; bei dieser Gelegenheit sahe er die gestohlenen Sachen; er benachrichtigte besagten Gabel, welcher sie in Gegenwart meines Vaters und meiner Kameraden, die bei besagtem Diebstahl mitgeholfen haben, kaufte, und uns das Silberwerk mit fünfzehn und eine halbe Louisd'ors, die Ketten aber mit zwei und einer halben Louisd'or bezahlte. Ich füge hinzu, daß mein Vater nichts von diesem Diebstahl erhalten hat.
178) Habt ihr keine Wissenschaft von einem Tuchdiebstahl, welcher im Jahr sieben zehn hundert sieben und neunzig in der Fabrike zu Birkenfeld ist begangen worden?
Antw. Ja, ich habe die beste Wissenschaft davon, indem ich ihn selbsten verübt habe.
Acht Tage zuvor bin ich in diese Fabrike gegangen, um Tuch zu kaufen, ich war alsdann von Peter Hartmann von Bierfink begleitet. Bei dieser Gelegenheit sahe ich, daß es leicht wäre, sich Tuch zu verschaffen, ohne es zu bezahlen. Ich gieng dann des Nachts dahin. Eine Schildwache, die in dieser Nachbarschaft stand, verhinderte mich zweimal; ich kam endlich das drittemal mit einer Leiter, welche ich neben einem Brauhaus zu Birkenfeld genommen hatte, wieder. Mittelst dieser Leiter bin ich bis an das Magazin gestiegen; der Laden war offen; ich hob eine Scheibe aus dem Fenster, welches ich hernach ohne Hinderniß aufmachte. Neben dem Magazin in einem Zimmer war ein Mann, der mit Schreiben beschäftigt war.
Ich nahm vier oder fünf Stükke Tuch, welche ich die nämliche Nacht noch bis gegen die Mineralquelle, dem sogenannten Sauerbrunnen, trug, wo ich sie in das Gebüsch versteckte.
Den nämlichen Tag gieng ich mit dem Mädchen des Georg Wilhelm Neumann von Volegarten, welches damals zwölf bis dreizehn Jahr alt war, besagtes Tuch zu holen und in ihres Vaters Haus zu tragen. Neumann wußte den Zweck, warum seine Tochter mit mir gieng. Den nämlichen Tag gegen Abend half mir Georg Wilhelm Neumann, dieses Tuch nach Hundheim zu tragen, wo ich es einem Namens Winkel, welcher wußte, daß dies Tuch gestohlen war, und welcher mir vorher schon sagte, daß wenn ich etwas hätte, es ihnen bringen sollte, verkaufte. Dieser Winkel wohnt bei der Kirche zu Hundheim bei dem Stumpenthurm. Ich habe ihm schon zuvor ein Pferd verkauft, welches ich einem Namens Ribel von Wisweiler bei Lauterecken gestohlen hatte. Ich bemerkte, daß dieser nämliche Ribel auch einmal durch Johannes Seibert von Lipshausen, dem Namens Krugrickes und Ungerhannes wegen dieser That zu Lauterecken angehalten, und wieder in Freiheit gesezt wurde. Ich weiß diese Geschichte von Jakob Fink von Weiler, der seitdem zu Trier gestorben ist.
179) Was hat Neumann für einen Theil von den zu Birkenfeld gestohlenen Sachen bekommen?
Antw. Ich habe ihm Tuch für Kleider gegeben; er hat aber an meinen übrigen Verbrechen gar keinen thätigen Antheil genommen.
180) Hat Peter Hartmann von Bierfink gar keinen Antheil an bemeldetem Raub genommen?
Antw. Nein.
181) Die Wittib Depre und ihre Kinder auf der Mouhl wohnhaft, haben sie keine Wissenschaft von eueren Verbrechen?
Antw. Nein.
182) Ihr habt doch eine beträchtliche Zeit hindurch bei ihnen gewohnt - ihr entferntet euch öfters, und wann ihr zurük kamet hattet ihr immer Geld. Habt ihr ihnen dann niemal von der Art eures Erwerbs etwas gesagt?
Antw. Ich habe ihnen gesagt, daß ich meines Vaters Haus zufolge eines Streits welchen ich mit Soldaten hatte, verlassen habe und daß ich Geld bei meinem Vater holte, indem ich sie glauben machte daß mein Vater der Abdecker von Mesbach seie.
183) Habt ihr nicht im Jahr siebenzehnhundert neunzig sieben, zween Pferde in dem Wald bei Abenteuer gestohlen?
Antw. Ja, ich war damals von Philipp Mosebach der seither zu Koblenz guillotinirt worden ist, begleitet.
184) Wem habt ihr die Pferde verkauft?
Antw. Mosebach hat sie dem Schulmeister von Reschid bei Simmern verkauft; ich war nicht gegenwärtig beim Verkauf, aber ich habe Ursache zu glauben, daß der Namens Michel Kezer von Lipshausen mit besagtem Schulmeister in Gesellschaft gewesen. Der nämliche Kezermichel hat schon vorher von mir und besagtem Mosebach, zwei Pferde welche ich zu Oberreitenbach mit Jakob Fink von Weiler und Peter Keesgen von Lauschid gestohlen hatte, gekauft. Der Verkauf geschah in dem bei Lipshausen gelegenen Wald mittelst fünfzehn Louisd'ors.
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