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Teil 27
Verhör des Johannes Bückler, Schinderhannes genannt.

Posted 25-6-2003

 
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Fortsezzung, Mainz den 4ten Thermidor zehnten Jahres.

158) Kennet ihr die Namen Heller und Jost von Kleinweidelbach?

Antw. Ich kenne sie nicht persönlich; aber ich weiß von Schwarzpeter, daß er nach seiner Entweichung von Simmern sich gerade nach Kleinweidelbach begeben hat, wo ein Namens Heller aus besagtem Ort ihm seine Ketten los machte.


159) Kennet ihr einen Mann, der sich der dicke Mathes nennt?

Antw. Ich kenne keinen andern Menschen der diesen Namen trägt, als einen Obersten der Niederländer Bande, welche gemeiniglich zu Eckerrod bei Gellhausen auf dem rechten Rheinufer wohnt. Uebrigens habe ich niemals einigen Handel mit ihm getrieben.

Ich kenne noch einen andern Menschen, der sich der dicke Jakob nennt, welcher vor vier Jahren zu Lipshausen wohnte, wo er ein Haus hatte und als Holzhauer im Soonwald arbeitete; obschon ich kein Verbrechen mit ihm begangen habe, so kenne ich ihn dennoch als einen Räuber.

160) Kennet ihr einen Namens Johannes Kerein, auf der Ziegelhütte zu Pferdsfeld wohnhaft?

Antw. Ich habe in dieser Ziegelhütte geschlafen, habe aber keine Gemeinschaft mit ihnen gehalbt? [sic]

161) Kennet ihr den Banngard von Pferdsfeld nicht?

Antw. Ja, ich kenne ihn, habe aber keine Gemeinschaft mit ihm gehabt.

162) Kennet ihr nicht einen Mann zu Pferdsfeld, welcher Becker und Wirth zugleich ist?

Antw. Ja, ich war einmal in einem Wirthshause in Pferdsfeld, aber der Name des Eigenthümers ist mir unbewußt.

163) Kennet ihr den Abdecker von Schweppenhausen, Namens Mayer?

Antw. Er ist noch in einem entfernten Grade verwandt mit mir; ich habe zwei Nächte bei ihm zugebracht; - das erstemal mit dem Abdecker von Bundenbach Namens Christoph, welcher mich damals auf das andere Rheinufer führte; das zweitemal mit Christian Rheinhard, Johan Martin Rinkert und Peter Hennrichs Hannadam vor dem, durch uns begangenen Diebstahl zu Merxheim; aber besagter Mayer hat gar keinen Antheil an unseren Verbrechen genommen.

164) Kennt ihr nicht zween Schlosser von Birkenfeld?

Antw. Nein.

165) Kennt ihr nicht einen Namens Christoph Kaspar von Lipshausen?

Antw. Nein, ich kenne aber einen Namens Johann Kaspar, ehemaligen Schultheisen zu Lipshausen, welchem ich vor vier oder fünf Jahren ein mit Philipp Mosebach in Hirschstein bei St. Wendel gestohlenes Pferd verkaufte; das Haus dieses Johann Kaspar diente damals, sowohl mir als allen andern verdächtigen Leuten zur Räuberhöhle. Seit diesem Zeitpunkt bin ich nicht mehr hin gegangen.

Der Schwager dieses Johann Kaspar nennt sich Andres Litger; er hat eines der durch mich mit Jakob Fink von Weiler zu Heimerich bei Naumburg gestohlenen Pferde von mir gekauft; er wußte daß das Pferd gestohlen war und er ist mir noch den Kaufpreiß mit eilf großen Thaler schuldig.

Er ist auch derjenige, der den Makler zwischen mir und dem Jud Dreidel Moyses von Rheinbellen, bei dem Verkauf welchen ich dem lezten von zwei zu Niederwirzbach Herrsteiner Kantons, durch mich gestohlenen Pferde machte. Diese Pferde waren anfänglich in dem Stall des Litgers, dieser rufte den Juden; nachdem der Handel geschlossen war, führte ich die Pferde in den Wald wo beagter Litger und des Juden Sohn selbige abholten.

166) Habt ihr keine Wissenschaft von dem zu Münster an dem Pfarrer Blau besagten Orts begangenen Diebstahl?

Antw. Ich weiß daß der Namens Krugjoseph, Johann Martin Rinkert und etliche Bauern von Großzimmern diesen Diebstahl verübt haben; ich weiß diese Geschichte von Konrad Ekard einem Kamerad des Krugjoseph; ich vermuthe daß die gestohlenen Sachen an den Juden Gerson von Großzimmern verkauft worden sind.

167) Kennt ihr einen Taglöhner welcher sich Anton Morsch von Rhaunen nennt?

Antw. Nein.

168) Kennt ihr einen Namens Georg Daniel Storr, Müller zu Sennsweiler?

Antw. Ja, wenn es der Georg Daniel Storr von Süßweiler bei Bruchweiler ist. Er hat aber keinen Theil an meinen Verbrechen genommen.

169) Kennt ihr einen Namens Jakob Mehn, Dachdecker von Lieser?

Antw. Nein, von allen den Dieben, welche in den Gegenden an der Mosel herumstreichen kenne ich keinen als den Zuchetto, den Namens Patmathes, schon zu Koblenz verurtheilt, und den Namens Lorenz, Müller, ebenfalls in Koblenz verurtheilt.

170) Könnet ihr uns keine genauere Auskunft von dem Namens Welsch, dem sogenannten Hemme von Heimbach, und dem Antheil, welche derselbe an dem an Mendel Löb zu Södern begangenen Meuchelmorde genommen hat, geben?

Antw. Ich weiß nichts anders, als was mir von Glaser Adam von Ruschberg erzählt worden ist, welcher mir sagte, daß es die Birkenfelder Bande war, welche dieses Verbrechen begangen hat.

171) Ihr habt die Mitschuldigen, welche mit euch den Ulmeter Diebstahl begangen haben, schon eingestanden. Sagt mir jetzt, auf welche Art dieser Diebstahl begangen ist worden und in was die gestohlnen Sachen bestunden?

Antw. Nachdem wir die nöthigen Vorkehrungen auf dem Breitzesterhof getroffen hatten, haben wir uns in die Steinalb begeben, wo wir die Nacht bei dem Müller Alles, welcher bei Wisselbach wohlnt, zugebracht haben. Die darauf folgende Nacht sind wir nach Ulmet gegangen. Die Thüre des Juden wurde mit einem Balken eingestoßen. Ich gieng mit dem Scheelen Franz, Peter Heinrichs Hannadam und Korb-Hannadam in das Haus. In einem Zimmer auf ebener Erde, in welches ich mit Korb-Hannadam gegangen bin, fand ich eine alte Frau bei einem Bette sizzend, und ein Kind in ihren Armen haltend. Ich habe ihr gar nichts zuz leid gethan; aber ich nahm aus einem in diesem Zimmer sich befindenden Schranke eilf Louisd'ors in Gold und drei große Thaler. Peter Henrichs Hannadam und der Scheele Franz waren in das obere Zimmer gegangen, wo sie den Juden sehr mißhandelten; ich folgte ihnen nach und riß besagten Juden aus ihren Händen. Wir raubten ihm in diesem Zimmer neunzehn Dukaten, eine goldene Uhr, fünf Pfund Silberwerk, drei goldene Ketten, etliche Ringe, wovon nur einer von Werth, welcher sieben Steine hatte, endlich etlich Kleider und Hemder.

Ein Theil dieser Sachen, nämlich: zwei goldene Ketten, der kostbare Ring, von welchem ich gesprochen habe, und ein Theil des Silberwerks wurde einem Juden in Heidelberg, welcher uns hundert bis hundert zehn Gulden zahlte, verkauft.

Ein andrer Theil wurde der Frau des Juden Gerson zu Groszimmern verkauft, nämlich:

Zwei Ringe, etliche Becher und Löffel von Silber, welche uns fünf bis sechs Louisd'ors bezahlt hat. Das übrige der gestohlnen Sachen ist in natura unter uns allen vertheilt worden, der Werth des ganzen Diebstahls sowohl in Silber als anderen Effekten kann höchstens auf tausend Gulden sich belaufen.

Der Diebstahl ist Nachs um eilf Uhr ohne viel Lärm begangen worden; nachdem wir fort gegangen waren, hat man Sturm geläutet, aber niemand hat uns auf unserer Flucht erreicht, welche wir über Ratskirchen, Röder und Mittelreidenbacherhof bis an die Treberhanneshütte, wo wir Halt gemacht, genommen haben.

Nachdem dem Angeklagten gegenwärtiges Verhör vorgelesen und auf deutsch ausgelegt worden war, erklärte derselbe, daß solches treulich aufgesezt ist, und hat mit uns und dem Kommis-Greffier unterschrieben. Mainz den Tag, Monat und Jahr wie oben des Abends um drei Viertel auf sieben Uhr.

Unterschrieben Wernher, Johannes Bückler und Brellinger, mit Handzug.

 
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