Das Verhör
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Posted 14-1-2003
Mainz am 30sten Prärial 10ten Jahres, Nachmittags 3 Uhr
Wir, Wilhelm Wernher, durch Ordonnanz des Präsidenten unterm gestrigen Tag, mit dem Verhör des Johann Bückler, Schinderhannes genannt, beauftragter Richter des, zufolge der von dem Bgr. Jeanbon-St.-André, General-Regierungs-Kommissär in den vier neuen Departementen des linken Rheinufers, unterm 17 und 18ten Germinal letzthin erlassenen Beschlüssen, zu Mainz niedergesetzten Peinlichen-Spezial-Gerichtes, haben uns in Begleitung des Kommis-Greffier in das Justizhaus dahier begeben, den Strassenraubes und sonstiger Verbrechen beschuldigten Johann Bückler, vor uns, in das Zimmer des Aufsehers des Gefängnisses führen lassen, und folgendermaßen befragt:
Erste Frage. Welch ist euer Name, Alter, Gewerb, Geburts und letzter Wohnort?
Antwort. Ich heiße Johann Bückler, bin ohngefähr 22 Jahr alt, von Mühlen [Miehlen] bei Nastätten auf dem rechten Rheinufer gebürtig, Sohn von Johann Bückler und Anne Marie Schmitt, welche dermalen zu Kirschweiler, im Kanton Oberstein, Saardepartements wohnen; ich war bei denselben bis in mein 16tes Jahr, habe kein Gewerb erlernet.
2) Wer war der Krughändler so bei euch auf der letzten Kirchweihe zu Iben und Fürfeld gewesen?
Antw. Es war einer Namens Joseph, ein hessischer Deserteur, Schwager des Johann Martin Rinkert von Schloßborn bei Königstein; er streift auf dem rechten Rheinufer umher und ich sah ihn noch einige Tage vor meiner Verhaftnehmung zu Wolfenhausen bei Limburg.
3) Wer war der Junge, so mit euch, dem Georg Friederich Schulz und dem eben erwähnten Krughändler, bei dem Juden Joseph Manasses zu Fürfeld, gewesen?
Antw. Es war der Hannikel Müller, Butla genannt, Sohn des Johann Müller, bekannt unter dem Namen Müllerhannes.
4) Wißt ihr nicht wo derselbe sich dermalen aufhalten möge?
Antw. Er hat mich bei dem Diebstahle von Obermoschel und Erbesbüdesheim begleitet; allein er war nicht mehr bei mir, als ich jenen zu Waldgrehweiler und auf dem Neudorfer-Hof verübte. Er verließ mich aus Verdruß, weil ich ihn verwichenen Winter geprügelt hatte.
5) War gedachter Butla nicht schon mit euch in der Wittwe Seibel von Hamm Behausung gewesen?
Antw. Ja; er war zwei oder dreimal mit uns in dem Haus gedachter Wittwe Seibel.
6) In welcher Verbindung standet ihr dann mit gedachter Wittwe und ihren Söhnen?
Antw. Ich stand in keiner andern Verbindung mit ihr, als daß ihre Söhne mich gewöhnlich auf das rechte Rheinufer fuhren; ich habe auch lezten Winter, einmal bei ihr, in Gesellschaft des Johann Leiendeker, Johann Martin Rinkert und lezteren Schwagers, Joseph genannt, übernachtet; weiß aber nicht, ob diese Wittwe oder ihre Söhne mich gekannt haben.
7) War nicht der Peter Hassinger mit euch bei dem obenerwähnten Joseph Manasses zu Fürfeld?
Antw. Ja.
8) War nicht ein Jude von Fürfeld zu euch in gedachten Joseph Manasses Haus, wo ihr Kaffe getrunken, gekommen, und war es nicht der nämliche, an den ihr Waaren im Ibener Wald verkauft habt?
Antw. Es ist wohl ein Jude in gedachtes Haus gekommen; ich kann aber nicht sagen, ob es der nämliche ist, dem ich die Waaren im Ibener Walde verkauft habe.
9) Ist der Petronelle Michel, von dem ihr in eurem Verhör, vor dem Jury-Direktor zu Mainz gesprochen, nicht der nämliche, mit dem ihr, und Peter Marcher, bei Peter Haas zu Oberhausen gewesen?
Antw. Ja, das ist der nämliche; gewöhnlich zieht er in den Gegenden von St. Wendel und Tholey herum.
10) Kennt ihr den Peter Haas von Oberhausen?
Antw. Ja ich kenne ihn, habe aber keine Verbindung zu ihm, als daß er mich über die Nahe gefahren.
11) Kennt ihr auch den Friederich Leirit von Oberhausen?
Antw. Ja ich kenne ihn; nach dem Laufersweiler Diebstahl verbargen wir uns in den Lemberger Bergwerken. Hier brachte uns gedachter Leirit Lebensmittel, zeigte uns sogar den Weg bis nach Hamm und trug die Päcke; zu Hamm fuhr er mit uns über den Rhein, begleitete uns bis nach Kleinrohrheim, wo jeder von uns ihm einen Gulden gab, nebst Tuch für Rok, West und Hosen; zu Kleinrohrheim verließ er uns, um sich nach Mannheim zu begeben, und mir einen Paß zu holen, welchen er mir auch wirklich brachte, und der in französischer Sprache auf gedachten Leirit ausgestellt war.
Der Beschuldigte berichtigt seine Aussage dahin, daß dieses nicht nach dem Laufersweiler sondern nach dem Merxheimer Diebstahl gewesen.
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