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Moritaten und Gerichtsakten - Wahrheit und Wirklichkeit
Die heutige Veranstaltung im Mainzer Rathaus, bei der Dr. Udo Fleck den Versuch unternahm, mit der Verherrlichung des Schinderhannes als "edler Räuber und Held" aufzuräumen, war - wieder einmal - von viel zu wenig Kulturinteressierten gefunden worden. Erstaunlich, zumal Berichterstattung und Informationsangebote zum Thema suggerieren, dass ein großes Interesse am 200. Todestag des Schinderhannes besteht.

By Melanie Langenhan
Posted 25-9-2003

 
Moritaten und Gerichtsakten - Wahrheit und Wirklichkeit
Jürgen Thelen an der Drehleier (Bild: M. Langenhan)


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Stadtarchiv Mainz

Schinderhannes Liedertexte

Bericht der AZ vom 27.09.2003

Noch ein Bericht der AZ vom 27.09.2003

Dr. Fleck hat riesige Mengen Materialen gesichtet, geordnet und ausgewertet. Seine vorgelegten Statistiken zur Kriminalität der Schinderhannesbande, beispielsweise nach Zeitraum und Art der Verbrechen (Diebstahl, Raub, Erpressung, Mord), nach Berufsgruppen oder Religionszugehörigkeit der Opfer oder nach den "Wirkungsstätten" der Bande waren eindrucksvoll und aussagekräftig.

Das Publikum hatte im Anschluß an den Vortrag Gelegenheit, Fragen zu stellen, wovon auch reichlich Gebrauch gemacht wurde. Gerade in diesem Teil des Abends wurde - von den unterhaltsamen Moritaten und Räuberliedern, die in Kostüm und mit alten Instrumenten vorgetragen wurden, einmal abgesehen - die Schinderhannes-Zeit lebendig. Gefangene festzuhalten war kostspielig, erfuhren die Gäste, weshalb die rechtsrheinischen Behörden gerne ihre Verdächtigen nach Mainz abschoben mit der Begründung, "sie könnten ja was mit Schinderhannes zu tun gehabt haben". Die links- und rechtsrheinische Strafverfolgungsbehörden arbeiteten zur Überraschung der Zuhörer durchaus zusammen. Ein Ende der Zuständigkeiten an der Landesgrenze gab es seinerzeit nicht.

Beachtung fand auch die Tatsache, dass keine Straftaten an Frauen verübt wurden (bzw. nicht aktenkundig wurden), Überfälle auf die eigenen Hehler jedoch keine Seltenheit waren.

Diese abendliche Veranstaltung ist der Auftakt zu einer Reihe, die von der Stadt Mainz im Rahmen des Jahrestages durchgeführt werden. Wie Herr Dr. Dobras vom Stadtarchiv Mainz mitteilte, wird es mit der Schinderhannes-Ausstellungs-Eröffnung am 16.10.2003 auch im Internet möglich sein, mit einer 360°-Kamera online durch die Ausstellung zu wandern.

Die Akten des Mainzer Tribunal criminel spécial über die Bande des Johannes Bückler, genannt Schinderhannes erscheinen als dreibändiges Werk (bearbeitet von Dr. Udo Fleck). Das Gesamtwerk kann bis 31.07.2003 zum Subskriptionspreis von 250 EUR bestellt werden; Bände I und II zum Subskriptionspreis von 100 EUR und Band II-V zum Subskriptionspreis von 150 EUR. Die Preise sind zwar stattlich, der Kauf ermöglicht aber die Verbreitung von Materialien, die für die Schinderhannes-Forschung von unschätzbarem Wert sind.

Kontaktadresse für Bestellungen: Dr. Udo Fleck, Universität Trier, FB III / Geschichtliche Landeskunde, DM 1 / 212 - 214, 54286 Trier, Tel. 0651-201-3292, Fax 0651-201-3293 (alle Angaben ohne Gewähr).

 
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