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Leserbrief von Uwe Anhäuser zu "Thielens Schinderhannes"
Am 23.10.2003 wurde hier das Buch "Schinderhannes - Sohn des Nordpfälzer Berglandes" von Rainer Thielen vorgestellt. Uwe Anhäuser, Journalist und Verfasser des Buches "Schinderhannes und seine Bande" schrieb dazu heute den folgenden Leserbrief.

Posted 29-10-2003

 
Leserbrief von Uwe Anhäuser zu "Thielens Schinderhannes"

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Endlich also ist's soweit: "Rainer Thielen räumt mit einem Vorurteil auf" und brät mit seinem soeben erschienenen Buch allen "materiellen und touristischen Vermarktern" eins über, die den Schinderhannes "für den Hunsrück vereinnahmen" möchten. Wo aber Thielens These, derzufolge Johannes Bückler "ein Nordpfälzer und kein Hunsrücker" war, "für beträchtlichen Aufruhr gesorgt" haben soll, ist mir jedoch entgangen. Denn dass Hannes "nie und nimmer Hunsrücker Dialekt" zu sprechen verstand, ist sowieso seit langem bekannt und ohne viele Worte durch seine Kindheitsbiographie erklärlich.

Leider übersieht Rainer Thielen das historisch kuriose Faktum, wonach in ganz Frankreich schon seit dem Mittelalter alle deutschsprachigen Lothringer, Elsässer, Pfälzer und Rheinhessen ganz pauschal als "les Hunsruckiens" (u.ä.) bezeichnet wurden. Kein Geringerer als Louis XIV. trug z.B. "Stulpenstifel à la Rhingrave du Hunsrueck"... (Diese durch naheländische Galane - zwei Junggrafen von Kyrburg - in Versailles eingeführten Mode-Accessoires sorgten dazumal für einen legendären Aufschwung der Kirner Lederwaren-Industrie, weil "toute la France" dem königlichen Vorbild nacheiferte).

Über drei Dutzend mehr oder minder verbalhornte Nennungen belegen die nach wie vor ungeklärte Etymologie des von der Burgundischen Pforte bis zur Kölner Bucht verbreiteten Gemarkungs- und Landschaftsnamens Hunsrück: vom "Col du Hunsrueck" bei Thann im Südelsass bis zum "Hunsbuckel" (nahe dem uralten Distrikt "America") unweit Monreal in der Eifel...

Zweifellos entstammten etliche Mitglieder der Schinderhannesbande dem Nordpfälzer Bergland. Weil aber um 1800 nicht mal einheimische Schulleiter diesen geographischen Begriff kannten, blieb sowohl Herrn Jeanbon Saint-André als auch den Geschworenen des Mainzer Tribunals gar nichts weiter übrig, als die von Ürzig an der Mosel und Beuren am Hochwald bis weit hinüber nach Konken im Kuseler Westrich herstammenden Delinquenten mit dem dazumal (nicht nur in Frankreich) gebräuchlichen Sammelbegriff "Hunsrückräuber" zu kennzeichnen.

Gleichwohl werde ich mir schleunigst Thiehlens Buch über den im Taunus geborenen "Sohn des Nordpfälzer Berglandes" besorgen und freue mich schon auf die Lektüre.

Uwe Anhäuser

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Dankenswerterweise macht Herr Anhäuser noch auf einige Veranstaltungen (zum Teil in den Medien) aufmerksam:

SWR Landesschau, 17.-22.11.2003, ab 19.20 Uhr ("sechs Kurzbeiträge über Schinderhannes")
Deutschlandradio Berlin, Sendung "Merkmal", 19.11.2003 ("ca. 15minütiger Beitrag über Bückler und seine Bande")
Hunsrückmuseum Simmern, 21.11.2003, ab 19.30 Uhr ("Podiumsgespräch unter Schinderhannes-"Experten"")
Südwest 3, 22.11.2003, 21.50 Uhr ("halbstündiger Film über Schinderhannes und Bernhard Kimmel, der um 1950 als "Al Capone des Pfälzerwaldes" für Schlagzeilen sorgte")

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