Jubiläen
Diese Seite sieht in einem modernen Browser besser aus, aber der Inhalt kann auch mit älteren Browsern oder Geräten betrachtet werden.Ich empfehle Ihnen auf einen neuen Browser umzusteigen.
Posted 10-2-2004
Der Vortrag behandelt die beiden großen Jahrhundertfeiern des Bonifatiusgedenkens 1855 (1100 Jahre Märtyrertod) und 1954 (1200 Jahre) sowie die kleinere Feier 1905 (1150 Jahre). Derartige Gedenkfeiern kamen in Deutschland erst allmählich im 17. Jahrhundert auf. Die 1000-Jahrfeier des Gedenkens an den Märtyrertod des Apostels der Deutschen wurde 1755 erstmals in Fulda begangen. Der Vortrag stellt die Mainzer Feierlichkeiten in den Vordergrund.
Gedenkfeiern werden vom Ausrichter oft zur eigenen Standortbestimmung nach innen benutzt, bzw. dienen als Markierungspunkte zur Selbstdarstellung nach außen. Über die Darstellung der äußeren Abläufe hinaus bieten sie vielfältige Interpretationsansätze für die mit den Jubiläen verbundenen Botschaften. Der historische Kontext in welchem die Festveranstaltungen eingebettet sind, bietet gleichfalls mehrfache Ausdeutungsmöglichkeiten für die Handlungsakteure und ihre Anliegen.
Die als religiöses Fest deklarierte Jubelfeier von 1855 enthält darüber hinaus noch weitere spezifische Botschaften. Das katholische und nach eigenem Verständnis goldene Mainz der Kurfürstenzeit mit seiner Hauptstadt- und Residenzstadtfunktion ist im neuen protestantischen Territorium in seiner Bedeutung zu einer gewöhnlichen Provinzstadt herabgesunken, deren Geschicke an anderer Stelle entschieden werden. Mainz musste gezwungenermaßen seine aktiv-gestaltende Rolle mit einer passiven und fremdbestimmten vertauschen. Die Stadt hat sich im 19. Jahrhundert in ein großes Heerlager verwandelt, wodurch ihr die in diesem Jahrhundert andernorts üblichen Entwicklungsmöglichkeiten zuungunsten einer mit Absolutheitsanspruch auftretenden auswärtigen Militäradministration versagt blieben. Auch die innerkirchlichen Strukturen sind durch eine staatliche Dominanz gekennzeichnet.
Die Festlichkeiten von 1855 lassen deutlich ein gestärktes konfessionelles Selbstbewusstsein nicht nur der Bistumsleitung sondern auch der einfachen Gläubigen erkennen. Die durch das Jubiläum vermittelte Botschaft beschränkt sich aber nicht nur auf die regionale Ebene sondern enthält zugleich eine großdeutsch nationale Komponente. Der Mainzer Bischof Freiherr von Ketteler, der noch wenige Jahre zuvor als Abgeordneter im Pauskirchenparlament saß, ist ein erklärter Befürworter der großdeutschen Lösung. In der Stadt Mainz, wo die Interessengegensätze zwischen Österreich und Preußen unmittelbar aufeinanderprallen, macht der Bischof aus seiner Haltung keinerlei Hehl. In den Feierlichkeiten von 1855 fokussieren sich die Probleme, die für die Entwicklungslinien des katholischen Mainz während des gesamten 19. Jahrhunderts hindurch bestimmend bleiben und in den kirchlichen Liberalitätsbestrebungen gegen die Beharrungskräfte der staatlichen Dominanz kulminieren.
Im 20. Jahrhundert haben sich dann die Gewichtungen verschoben. Ausgehend von der überraschenden Bewertung, die der Jesuitenpater Ivo Zeiger auf dem Mainzer Katholikentag von 1948 in der griffigen Formel formulierte, Deutschland sei Missionsland geworden, stand 1954 ein seelsorgliches Interesse der religiösen Erneuerung im Vordergrund.
Das Bistum Mainz war nach wie vor ein Diasporabistum. Die gewaltigen durch den Krieg und seine Folgen provozierten Umwälzungen hatten v.a. in Oberhessen die Konfessionsgliederung durch den Zuzug heimatvertriebener Katholiken vornehmlich aus dem Sudetenland völlig verändert. Diesem Aspekt musste man zwangsläufig ordnend und stabilisierend begegnen. Dagegen blieb aber auch das Demonstrationselement erhalten, daß sowohl die eigenen Kräfte mobilisieren als auch nach außen Stärke zeigen will.
Nachdem bereits der Katholikentag von 1948 in einer von den Kriegszerstörungen noch stark gezeichneten Stadt allein schon von der Logistik her gesehen eine herausragende Leistung war und weit über 100.000 Menschen aus ganz Deutschland in die Stadt führte, war das 1250-jährigen Bonifatiusjubiläum, das gleichfalls zehntausende von Menschen aus religiösen Motiven anzog und in die Stadt brachte, ein weiterer Höhepunkt, an dem zweierlei sichtbar wurde: Die Mainzer katholische Kirche stand vor ungeheurer schwierigen Aufgaben, die z.T. durch die Kriegsfolgen provoziert waren, sie hatte aber ein ungebrochenes Vertrauen, diese Aufgaben anzupacken und zu bewältigen.
Quelle: Pressemitteilung der Stadt Mainz vom 10.02.2004
Archiv | Links | Wunschzettel
Digitalkameras aller Hersteller bei Directshopper
Leserbriefe geben die Meinung der Verfasser wieder.
Ein Anspruch auf Veröffentlichung im Rheinhessenarchiv :: Genealog besteht nicht.
Ich behalte mir die Kürzung von Beiträgen vor.
Copyright 2000-2003 Melanie Langenhan, Königsberger Str. 33, D-55268 Nieder-Olm
webmaid at web.de - Alle Rechte vorbehalten -
Rheinhessen, Genealogie und Geschichte ... Rheinhessenarchiv :: Genealog
i