Ausstellungen
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Posted 22-8-2003
Wilhelm Heinse (1746 bis 1803) war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schriftsteller des 18. Jahrhunderts. Mit Ardinghello und Die glückseligen Inseln schuf er den ersten Roman, der eine Künstlerfigur der Renaissance zum Helden hat und von nachhaltiger Wirkung auf die deutsche Literaturgeschichte gewesen ist. Seit dem ersten Erscheinen 1787 ist diese ,,Geschichte aus dem sechzehnten Jahrhundert" bis heute fast ununterbrochen im Buchhandel erhältlich gewesen. Zwanzig Jahre vor Goethes Italienischer Reise führte sie dem Leser die bedeutendsten Kunstschätze Italiens vor Augen.
Gleichzeitig trat Heinse als Essayist hervor, dessen Kunst- und Musikbeschreibungen eine literarische Qualität erreichten, die man seit Winckelmann nicht gekannt hatte und eine sinnliche Anschauung, die manchem Zeitgenossen zu weit ging. Er wurde zum Mittler zwischen Italien und Deutschland, und zum Mittler zwischen den Epochen und Ausdrucksweisen um 1800: zwischen Klassizismus, Empfindsamkeit und Romantik, wurde Vorreiter einer neuen Wahrnehmung der Kunst, die aus dem unmittelbaren Erleben entspringt und ein sprachliches Äquivalent dafür findet. Insbesondere die Generation des Expressionismus und der Jugendbewegung entdeckte ihren Heinse neu.
In Mainz verbrachte der 1746 in der am Rand des Thüringer Walds gelegenen Stadt Langewiesen/Ilm geborene Heinse die Jahre 1786 bis 1794 im Dienst des Kurfürsten und Erzbischofs von Erthal.
Als Leiter der kurfürstlichen Bibliothek in der Martinsburg hatte Heinse trotz seiner eher zurückgezogenen Lebensweise eine zentrale Position im Mainzer intellektuell-kulturellen Milieu dieser Jahre inne. Er empfing auswärtige Besucher, besorgte die Ankäufe bei Mainzer und bei auswärtigen Buchhändlern, erstellte die Kataloge der Bibliothek und erbrachte in einem Aufsatz über die ,,Erfindung der Buchdruckerkunst in Mainz" den Nachweis für Gutenbergs Leistungen, die damals noch umstritten waren. Er knüpfte Kontakte zum kultivierten Frankfurter Bürgertum, den Brentanos, den Gontards und zum jungen Hölderlin; mit Samuel Thomas Soemmerring verband ihn eine enge Freundschaft.
Obgleich Heinse als ein geistiger Brandstifter der Revolution denunziert wurde, entschied er sich für die finanzielle Absicherung und den Verbleib am Mainzer Hof und folgte Erthal nach Aschaffenburg, wo die kurfürstliche Bibliothek samt der dazugehörenden graphischen Sammlung heute noch fast vollständig vorhanden ist. Am 22. Juni 1803 erlag Heinse einem Schlaganfall. König Ludwig I. von Bayern sorgte später für ein angemessenes Grab auf dem Alten Friedhof in Aschaffenburg und ließ Heinses Büste in der Walhalla aufstellen, zwischen denen von Klopstock und Herder.
Durch die Präsentation von Autographen, Erstausgaben und bibliophilen Drucken des 20. Jahrhunderts werden mit der Ausstellung nicht nur Lesefreude und literaturhistorisches Interesse angesprochen, sondern auch die Biographie Heinses nachgezeichnet. Die Auswahl aus den wertvollen Altbeständen der Stadtbibliothek, die unter anderem auf das alte Gymnasium, die kurfürstliche Universität und Nachlässe von Mainzer Bürgern der Heinse-Zeit zurückgehen, wird durch Leihgaben aus Privatbesitz ergänzt.
Die Ausstellung wird am Donnerstag 04. September 2003, 18.30 Uhr, Lesesaal der Stadtibliothek Mainz (Rheinallee 3 B) eröffnet. Oberbibliotheksrat Dr. Wulf Thommel, Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (Mainz), begrüßt die Besucher. Dr. Johannes Hilgart beleuchtet mit der Einführung ,,All mein Wesen ist Genuß und Wirksamkeit" Heinse als Leser, Schriftsteller und Bibliothekar.
Sabine Kalmer (Sopran) und Johannes Naumann (Gitarre) gestalten die Ausstellungseröffnung mit Liedern von Johann Friedrich Hugo von Dalberg auf Texte von Zeitgenossen und Freunden Heinses.
Quelle: Newsletter der Stadt Mainz vom 22.08.2003
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